Deutsch als Fremdsprache in den Schulen

Landesschulbehörde setzt der Stadtverwaltung Grenzen

Langenhagen (gg). „Mir ist es wichtig, dass die Kinder, die hier herkommen, vernünftig unterrichtet werden!“ Ratsfrau Ulrike Jagau (Grüne) machte mit dieser Überzeugung eine Recherche an allen Langenhagener Schulen, fragte insbesondere nach dem Deutschunterricht für zugezogene Schüler, die keine Vorkenntnisse mitbringen und damit Deutsch als Fremdsprache lernen müssen. Das Ergebnis empfand sie als ernüchternd: „An jeder Schule läuft das anders.“ Ein positives Beispiel sei die Grundschule Kaltenweide. Dort werde Sprachförderunterricht angeboten, der außerhalb des regulären Unterrichts in Kleingruppen stattfindet. Erfolgreich sei auch die bekannte außerschulische Kooperation mit Ehrenamtlichen (Lernhilfe Kaltenweide). „Doch das reicht nicht“, meint Ulrike Jagau und beruft sich auf ihre Berufserfahrung als Lehrerin: „Dass beim Lesen von Ehrenamtlichen geholfen wird, ist wichtig und wertvoll. Aber Kinder, die Deutsch als Fremdsprache lernen müssen, brauchen qualifizierten Unterricht.“ Letzteres bieten sogenannte Sprachlernklassen. Sie werden auf Antrag von der Landesschulbehörde genehmigt, denn nur die ist zuständig – ein zweiter ernüchternder Zustand für Ulrike Jagau, denn damit haben Rat und Stadtverwaltung in Langenhagen keinen Einfluss.
Wie es funktioniert zeigt das Beispiel am Gymnasium. Die Schulleitung hat einen Antrag auf Einrichtung einer Sprachlernklasse bei der Landesschulbehörde gestellt und genehmigt bekommen, denn die Bedingungen dafür waren erfüllt: eine ausreichende Anzahl betroffener Schüler, eine Stellenzuweisung mit einer qualifizierten Lehrkraft durch die Landesschulbehörde und die Zustimmung der Stadtverwaltung (Raumbedarf). „Innerhalb des letzten Halbjahres ging das schnell, schon mit Beginn des neuen Halbjahres, Anfang Februar, gibt es die neue Sprachlernklasse“, erklärt Edda Skowronek, Studiendirektorin am Gymnasium, im Gespräch mit dem ECHO. 16 Schüler verschiedener Jahrgänge sind dabei, sie haben 22 Wochenstunden in der Sprachlernklasse und acht Wochenstunden in der Klasse, zu der sie eigentlich gehören, Unterricht. „Es kann sein, dass nicht alle am Gymnasium bleiben. Halbjährlich wird die Sprachfähigkeit überprüft und es gibt ein Übergangsmanagement, um die Schüler in ihre Regelklassen einzugliederen. Diese Regelklassen können auch an anderen Schulformen als an dem Gymnasium sein“, erklärt Edda Skowronek.
„Die Zuständigkeiten sind ganz klar geregelt“, betont Annette von Stieglitz, Fachbereichsleiterin Bildung in der Stadtverwaltung und damit Schulamtsleiterin. Die personelle Ausstattung der Schulen liege bei der Landesschulbehörde. „Auch Unterrichtsinhalte werden dort vorgegeben. Da haben wir nicht mal ein Mitspracherecht. Wir sind nur für die sächliche Ausstattung verantwortlich“, erklärt sie. Persönlich sei ihr eine gute Kommunikation wichtig, daher wisse sie, dass seitens der Landesschulbehörde „Sprachlernklassen für den Primarbereich (Grundschulen) nicht vorgesehen sind“. Es gibt 5.844 Schüler in Langenhagen (Stand September 2014) und 45 Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen müssen, so ihre Auskunft zu den Relationen. Zu beachten sei, dass es eine hohe Fluktuation unter den zugezogenen Schülern gibt, weil der Wohnort noch weiter gewechselt wird. Nach Meinung von Anette von Stieglitz leisten ehrenamtliche Lernhelfer eine wichtige und dringend notwendige Hilfe. Sie sagt: „Es ist die vornehmste Aufgabe der Ratspolitiker, das Ehrenamt zu stärken und Anreize dafür zu geben.“