Die akribische Suche nach den Munitionsresten

Ärgert sich über die Rücksichtslosigkeit vieler Bürger: Stabsfeldwebel Frank Wenske. (Foto: O. Krebs)

Bundeswehr warnt vor Betreten des Standortübungsplatzes bei gehisster roter Flagge

Langenhagen (ok). Der Standortübungsplatz Hannover: rund 248 Hektar groß. Auf etwa Dreiviertel dieser Fläche liegen noch jede Menge Munitionsreste. Sei es aus dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg – in der Nähe gab es eine Schießbahn und auch den Alten Flughafen als Ziel – oder aber auch von Bundeswehr-Übungen. Zwei Flächen mit einer Größe von jeweils 25.000 Quadratmetern werden jetzt in den Monaten Oktober und November "entmunitioniert". Das Team der Fachfirma Schollenberger aus Celle um den Technischen Einsatzleiter Sven Meiners durchforstet das Gebiet akribisch in Parzellen von 25 Mal 25 Metern, sucht nach Munitionsresten. Und zwar mit einem so genannten Differenzradiometer, das auf alles Ferromagnetische im Erdreich hinweist. Der Detektor erkennt Eisen in bis zu sechs Metern Tiefe. Schlägt er an, tragen die Mitarbeiter von Schollenberger vorsichtig mit einem Spaten Erdr ab, um die potenzielle Munition zu bergen. In manchen Fällen wird auch ein Bagger benutzt. Handelt es sich um Weltkriegsmuntion ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst im Boot, sonst die Bundeswehr selbst. Von kleinerer Munition bis hin zu Granaten sind schon etwa 50 bis 60 Kilogramm gefunden worden. Die beiden Bereiche sollen nach der Kampfmittelbeseitigung als Biwakräume genutzt werden. Denn: Durch die Ausdehnung des Übungsbetriebes ist die bisherige Fläche zu klein geworden und soll auch Zeit zur Regeneration bekommen“, sagt Stabsfeldwebel Frank Wenske vom Landeskommando Niedersachsen. Im Auftrag des Kommandeurs, der gleichzeitig Standortältester in Hannover und somit für den Betrieb des Platzes verantwortlich ist, kümmert sich zusammen mit Oberleutnant Stefan Simon, dem Offizier für den Standortältesten, um die Instandhaltung. Das gesamte Gelände ist übrigens im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). In den vergangenen beiden Wochen war der Standortübungsplatz gesperrt, um die Folgen von Sturmtief Xavier zu beseitigen und die Bäume wegzuräumen. Das Betreten ist aber nur während der Öffnungszeiten gestattet, die aktuell immer auf www.langenhagen.de zu finden sind. In jüngster Zeit ist sich laut Wenske immer wieder mal unberechtigt Zutritt zum Gelände verschafft worden. Ist die rote Flagge an den Zugängen – sechs Hauptwege gibt es – gehisst, ist das Betreten strikt verboten. Achtung: Während der Gefechtsübungen droht Lebensgefahr! Ist keine Flagge zu sehen, dürfen die Schotterwege zu Fuß oder mit dem Fahrrad genutzt werden. Das Betreten der Grünflächen ist wegen der Munitionsbelastung ebenfalls lebensgefährlich. Hunde müssen angeleint sein. Und Wenske weist auch noch auf ein anderes eklatantes Fehlverhalten hin: „Das Abladen von Abfall und Sperrmüll wird ebenso zur Anzeige gebracht wie das unbefugte Betreten.“