Die digitale Revolution

Im Utopia-Kino haben sich hohe Investitionen ausgezahlt

Langenhagen (dl). Ausgelöst durch den 3D-Boom mit Filmen wie „Avatar“ und „Alice im Wunderland“ rüsten immer mehr Kinos auf die für die 3D-Wiedergabe notwendige digitale Projektionstechnologie um. Technisch gesehen hat der digitale Film eine ganze Reihe von Vorzügen gegenüber dem 35-Millimeter-Filmmaterial: Der Umgang mit dem digitalen Film ist einfacher und schneller; eine bessere und absolut ruckelfreie, gleichbleibende Bildqualität ohne Verluste und nicht zuletzt die 3D-Technik sind weitere Vorteile. Bisher bekommen die Kinos die digitalen Filme noch auf einer Festplatte geliefert, künftig kommen sie direkt vom Verleih über eine spezielle Datenleitung per Satellit in die Kinos, wo sie auf einen Server überspielt werden, von dem aus der Projektor dann gesteuert wird. Verbunden mit einem Freischaltcode können die Verleiher auf den Start, die Häufigkeit und den Zeitraum der Vorführungen unter Umständen noch mehr als bisher direkt Einfluss nehmen. Weil darüber hinaus sowohl die großen Studios wie MGM, Warner oder Paramount und auch die Großverleiher bereits angedeutet haben, die sogenannten Blockbuster nur noch digital anzubieten, bleibt den großen Kinos zumindest eine teilweise Umrüstung von analog auf digital nicht erspart, wenn sie weiter konkurrenzfähig bleiben wollen. Für die kleinen und mittleren Kinos wie auch für die Programmkinos, die sich abseits vom Mainstream auf ein Filmkunst-Programm spezialisiert haben, wird das Leben schwieriger, denn sie werden sich die hohen Investitionskosten für Projektor und Leinwand – 3D funktioniert wegen der Polarisation des Lichtes nur richtig auf einer silberbeschichteten Leinwand – in der Regel nicht leisten können. Da sie die Kassenschlager meist erst dann ins Programm nehmen, wenn die großen Kinos sie abgesetzt haben, müssten sie die digitalen Filme auf 35 Millimeter umkopieren, was wiederum mit Kosten verbunden wäre. Um also im Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren, haben kleine und mittlere Kinounternehmen die Möglichkeit, die von der EU und dem Land Niedersachsen zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von18.000 Euro als Anschubfinanzierung zur Umrüstung auf die digitale Kinotechnik in Anspruch zu nehmen. Die Kosten für eine solche Umrüstung liegen bei insgesamt rund 92.000 Euro.
Der Utopia-Filmpalast an der Walsroder Straße ist diesen Weg gegangen und Inhaber und Betreiber Joachim Schumacher ist bisher sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Schumacher sagt: „Dadurch, dass wir im großen Saal erfolgreich die aktuellen 3D-Filme anbieten, haben wir auch in den drei kleinen Sälen wieder mehr Gäste. Die analogen Filme profitieren also indirekt auch von der 3D-Technik.“
Das Utopia mit seinen rund 100.000 Besuchern im Jahr und 22 Angestellten inklusive Aushilfen zählt zu den 200 erfolgreichsten Kinos in Deutschland, und dementsprechend hat Schumacher auch ein gutes Verhältnis zu seinem Filmverleih. Er sagt: „Wo andere Kinos bei ihren Verleihern um die erfolgreichen Filme fast betteln müssen, kann ich auswählen.“
Jetzt hatte der Filmpalast Besuch vom SPD-Europaabgeordneten Bern Lange, der vom Landtagsabgeordneten Marco Brunotte und dem Langenhagener SPD-Fraktionsvorsitzenden Marc Köhler begleitet wurde. Ziel der drei Sozialdemokraten war es, sich über das Antragsverfahren für Fördermittel und ihre Wirkung zu informieren.
Joachim Schumacher führte seine Gäste hinter die Kulissen des Kinos und zeigte ihnen die analogen Filmprojektoren und den digitalen Projektor, der optisch recht wenig hermacht. Während ein 35-Millimeter-Film inklusive Werbung auf einem großen Teller rotiert und über Umlenkrollen dem Projektor zugeführt wird, ist dessen digitaler Kollege einem normalen Beamer nicht unähnlich, der sich die Daten – etwa 50 GB pro Film – von der Festplatte eines Computers holt. Kritiker sagen, dass vor allem die Verleihfirmen von den Vorteilen des digitalen Films profitieren – sie sparen viel Geld sparen, da sie nicht mehr Hunderte von Kopien anfertigen und vorhalten müssen. Darüber hinaus haben sich auch die Vertriebswege stark vereinfacht. Nicht ohne Hintergrund wird also vielerorts geforder, dass die Verleiher sich an denhohen Investitionskosten beteiligen sollten, zumal auch sie von den zu erwartenden höheren Besucherzahlen in den Kinos profitieren würden.