Die ersten Flugzeuge sind gelandet

91 Kinder waren mit an Bord. Foto: S. Müller

650 Kinder: 24. Ferienaktion der Landeskirche für Tschernobyl-Kinder hat begonnen

Langenhagen. Nikolai durfte als Erster aussteigen. Mit der Ankunft des ersten Flugzeuges aus dem weißrussischen Gomel am vergangenen Mittwoch am Flughafen in Langenhagen begann die 24. Ferienaktion für Tschernobyl-Kinder der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.
91 Kinder, neun Mütter mit Kleinkindern sowie acht Dolmetscherinnen waren an Bord. Und ganz vorne mit dabei der zweijährige Nikolai auf dem Arm seiner Mutter Jewjenina.
Den rund zweistündigen Flug hat der kleine Junge aus dem weißrussischen Gomel komplett verschlafen. Nun, kurz nach der Landung auf dem Flughafen Hannover-Langenhagen, schaut er neugierig über das Flugfeld. Mutter Jewjenina war als elfjähriges Kind bereits einmal hier. Heute reist sie zum ersten mal als Mutter auf Einladung der Landeskirche nach Niedersachen. Gemeinsam mit Nikolai wird sie die kommenden Wochen bei einer Gastfamilie in Melle verbringen.
Seit 1991 bietet die hannoversche Landeskirche Ferienaktionen für Tschernobyl-Kinder an. In diesem Jahr werden in den Sommermonaten rund 650 strahlengeschädigte Kinder aus Weißrussland und ihre Begleiter erwartet.
Die Kinder sollen sich für jeweils vier Wochen in 20 Kirchenkreisen der Landeskirche erholen, hieß es. Auch 28 Jahre nach der Atomkatastrophe in der Nordukraine seien die Folgen gravierend. Vor allem Kinder seien betroffen. "Die Menschen in den verstrahlten Gebieten Weißrusslands leiden noch immer unter den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Durch den Aufenthalt in einer vergleichsweise gesunden Umwelt vermindert sich die Radioaktivität in ihrem Körper, und das Immunsystem wird gestärkt“, sagte Renate Paul, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft ‚Hilfe für Tschernobyl-Kinder‘.
Die kirchliche Hilfe für Tschernobyl feiert im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Insgesamt kamen bereits mehr als 25.000 Kinder und Mütter mit Kleinkindern auf Einladung der Landeskirche nach Niedersachsen.
Die Kirche unterstütze zudem in diesem Jahr erneut die Kinderabteilungen der zentralen Krankenhäuser im weißrussischen Gomel. Sie stelle durch Spenden finanzierte Medikamente und medizinische Hilfsgüter im Wert von etwa 60.000 Euro zur Verfügung.
Mit dieser Ladung startete Nikolais Flugzeug kurze Zeit später zurück nach Gomel. Davon bekamen er und seine Mutter aber nichts mehr mit – sie waren inzwischen auf der Autobahn in Richtung Melle. Die diesjährige Ferienaktion endet am 27. August.
Zum 25. Jubiläum sammelt die Initiative derzeit Geschichten von Gasteltern und Unterstützern. Unter dem Motto „Erlebnisse gesucht!“ entsteht auf der Internetseite erlebnisse.tschernobyl-hilfe.org eine interaktive Zeitleiste, auf der Gastfamilien von Ihren Erlebnissen aus 25 Jahren mit ihren Ferienkindern berichten. Noch bis zum
1. Juli können Interessierte ihre Texte oder Bilder per E-Mail oder per Post einsenden.