Die ganze Stadt wird jetzt befragt

Politiker wollen umfassendes Meinungsbild über weiterführende Schulen

Langenhagen (ok). Die Elternbefragung für den Norden Langenhagens in Sachen weiterführender Schule ist passé. Geben wird es eine Befragung der Kindergarten- und Grundschuleltern im gesamten Stadtgebiet. Dafür haben sich am Donnerstagabend die Mitglieder des Bildungsausschusses ausgesprochen; die Ortsräte aus Kaltenweide und Krähenwinkel waren auch zu der Sitzung eingeladen. Und Krähenwinkel hatte den Vorschlag einer Befragung im Norden der Stadt bereits abgelehnt. Die Idee zu einer ganzheitlichen Befragung war beim Runden Tisch zur Schullandschaft Langenhagens entstanden, die Verwaltung hatte zur Sitzung einen Vorschlag vorgelegt. Vier Seiten, auf denen es zum Beispiel um die favorisierte Schulform, den Schulweg oder Halbtags- und Ganztagsbetreuung geht. Die Zahlen sollen dann Grundlage für die weiteren richtungsweisenden Entscheidungen sein. Die Kosten werden sich wohl etwas auf 8.000 Euro belaufen. Die Zahlen des Planungsbüros biregio liegen eindeutig auf dem Tisch – in den nächsten zehn Jahren sind etwa drei Züge an Jahrgängen notwendig, um rund 500 Kinder unterzubringen. Die kommen allerdings nicht alle aus Krähenwinkel oder Kaltenweide.
Die Sozialdemokraten sehen keinen Sinn in irgendeiner Umfrage. Das Anwahlverhalten der Eltern mache deutlich, wohin die Reise ginge. Und das sei eindeutig. Etwa die Hälfte eines Jahrganges habe in den vergangenen Jahren die Integrierte Gesamtschule im Stadtzentrum präferiert. Zum Vergleich: Die Robert-Koch-Realschule war zuletzt lediglich für 69 Eltern die Wunschschule. Für den Kaltenweider SPD-Politiker Wolfgang Langrehr ist die Befragung wie der Vergleich von Äpfel mit Birnen – 14 von 15 Kindergartengruppen liefen in Kaltenweide ganztägig, hier habe eine Ganztagsschule wohl Priorität. In Engelbostel könne das wieder ganz anders aussehen. Für seinen Parteikollegen Wolfgang Kuschel ist es ganz klar, dass die weiterführende Schulen ins prosperierende Stadtzentrum gehören. Eine Stärkung der Peripherie dürfe in diesem Fall nicht stattfinden. Und auch für die SPD-Bildungsexoertin Anja Sander ist es nicht „zielführend“ eine Schule in Kaltenweide zu bauen. Für Jens Mommsen (BBL) stellt sich die Frage nach einem Gesamtkonzept. Er plädierte für den Neubau einer dritten neuen Schule; Umbau von IGS Süd und Robert-Koch-Realschule im Bestand seien kaum zu wuppen, zumal die Realschule noch mitten im Wohngebiet liege. Der frühere Realschullehrer Bernhard Döhner (CDU) machte sich für eine Vielfalt der Schullandschaft stark, gerade die RKDS mit ihren „praktischen Anteilen“ habe durchaus ihre Berechtigung. Die Praxis gebe es an der IGS aber durchaus auch, versicherte ihm Wolfgang Kuschel, ehemaliger Schulleiter an der IGS Langenhagen. Das Zwei-Säulen-Schulsystem sei in Niedersachsen etabliert worden.