"Die Gedanken sind frei"

Das Blasorchester der Stadt Langenhagen mit Solistin Corinna Fiedler im NDR-Sendesaal.

Langenhagener Musiker im NDR-Sendesaal

Langenhagen. Für viele Musikbegeisterte ist das Wohltätigkeitskonzert der Arbeiterwohlfahrt ein fester Bestandteil im Jahreskalender. In diesem Jahr fand das Konzert bereits zum vierzigsten Mal statt - ein schöner Anlass für das Blasorchester der Stadt Langenhagen und das Bundespolizeiorchester Hannover, den Zuhörern im ausverkauften NDR-Sendesaal ein breitgefächertes Musikprogramm mit vielen Highlights zu präsentieren.
Franco Hänle, der bis zum Jahresende die musikalische Leitung des Bundespolizeiorchesters übernommen hat, wählte für seine Musiker Titel wie beispielsweise den "Krönungsmarsch" von Giacomo Meyerbeer, ein Medley bekannter Beatles-Melodien oder "Annies Dream" von Christoph Walter aus. Als Gast brachte das Bundespolizeiorchester Hannover den Gewinner der Castingshow " Das Supertalent", Michael Hirte, mit. Gemeinsam mit ihm wurde dem Publikum sowohl Ennio Morricones Filmmusik zu "Spiel mir das Lied vom Tod" als auch sein damaliger Siegertitel "Ave Maria" dargeboten.
Auch das Blasorchester der Stadt Langenhagen hatten viele Überraschungen und Solisten im Gepäck. Erstmals unter Leitung von Harald Sandmann, der das Orchester Anfang des Jahres übernommen hatte, überzeugte das Blasorchester unter anderem mit der Originalkomposition "Pilatus: Mountain of Dragons". Mit der dramatischen Rhapsodie "Wendepunkte 1-9-8-9" betraten die Musiker Neuland. Bei diesem Werk handelt es sich um eine Originalkomposition des Berliner Komponisten Siegmund Goldhammer aus dem Jahre 2014. Goldhammer, Freund und Mentor von Harald Sandmann, hat in diesem Stück die Geschehnisse und den Fall der Mauer im Jahre 1989, die er miterlebt hat und welche ihn bis heute stark emotional bewegen, verarbeitet. Im Zentrum der Komposition „Wendepunkte 1-9-8-9“ steht die Intervall-Folge „1-9-8-9“ (Grundton, None, Oktave, None). Zu Beginn zu hören und zu spüren ist das Spannungsfeld und die Unsicherheit. Die Musik bleibt in keiner festen Tonart, sondern springt unruhig zwischen den Harmonien. Die Spannungen werden auch durch dissonante Akkordschichtungen, sogenannte Cluster, dargestellt. Goldhammer verwendete Fragmente des Volkslieds „Die Gedanken sind frei“, um das Aufbegehren nach Freiheit auszudrücken. Auch die beiden Hymnen der DDR und der Bundesrepublik tauchen in kurzen Bruchstücken auf. Erst im Finale findet das Werk zu einer festen Tonart. Diese neue Ordnung vermittelt Kraft und Mut. Aus der Forderung „Wir sind das Volk“, symbolisiert durch das vollständige Zitat von „Die Gedanken sind frei“, wird „Wir sind EIN Volk“, das mit dem Musikzieren beider Hymnen zeitgleich seinen Ausdruck findet. Ein markantes Motiv führt zu einem Abschluss von „Wendepunkte 1-9-8-9“ als Hymnus des Sieges für eine Zukunft in Einheit und Freiheit.
Auf Einladung der AWO und des Blasorchesters der Stadt Langenhagen reiste der Komponist und Dirigent Siegmund Goldhammer mit seiner Gattin zum Jubiläumskonzert an. Bereits während der Generalprobe am Vortag nahm er sich Zeit, um den Musikern des Blasorchesters der Stadt Langenhagen Emotionen, Gedanken und Hilfestellungen zu seiner Komposition aus erster Hand weiterzugeben. Diese einmalige Erfahrung eröffnete individuell völlig neue Perspektiven und Horizonte für die weitere gemeinsame Arbeit an der Entwicklung der Bläserszene.
Wer jedoch das Blasorchester der Stadt Langenhagen kennt, kann sich vorstellen, dass noch weitere Überraschungen folgen sollten. Penny Simms, seit vielen Jahren Freundin des Orchesters, zeigte mit ihren "Tanzenden Fingern" souveräne Virtuosität auf dem Akkordeon. Die orchestereigene Sängerin und Saxofonistin Corinna Fiedler überzeugte mit dem Gesangstitel "Ein Lied kann eine Brücke sein" von Joy Fleming aus dem Jahr 1975 und stellte erneut ihre wunderbare Stimme unter Beweis.
Eine Premiere war der gemeinsame Auftritt des Sängers Thorsten Sturmhöfel mit dem Blasorchester der Stadt Langenhagen.
Bei seinem Medley „Swing and Latin with Michael Bublé“ riss er mit seiner frischen Art die Zuhörerinnen und Zuhörer mit Titeln wie "Sway", "Save the last dance" und "Crazy little things" von den Stühlen und sorgte hiermit für einen weiteren Höhepunkt des Nachmittages.
Zum Abschluss dieser großartigen Veranstaltung spielten beide Orchester gemeinsam als Zugabe "Alte Kameraden", sowie das traditionelle "Guten Abend gute Nacht", ohne das kein AWO-Konzert endet. Auch im kommenden Jahr wird es ein AWO-Konzert geben, bei dem sich beide Orchester gemeinsam mit dem Veranstalter erneut über einen ausverkauften Saal freuen würden.