"Die Herzen der Menschen sind versteinert"

Roger Cericius (links) überzeugte auch Pastor Falk Wook mit seiner ganz eigenen, pragmatischen Sicht der Dinge. (Foto: D. Lange)

Roger Cericius auf der Godshorner Laienkanzel

Godshorn (dl). Seit nunmehr zehn Jahren lädt die Godshorner Kirchengemeinde Zum Guten Hirten anlässlich ihres Neujahrsgottesdienst führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu einem Gastvortrag über aktuelle Themen ein. In diesem Jahr sprach der Sozialwissenschaftler Roger Cericius über seine ganz eigene, pragmatische Sicht der Dinge, die zur Zeit die Politik und die Gesellschaft bewegen. Dabei orientierte sich Cericius an der aktuellen Jahreslosung der Christen für 2017 „Ich schenke Euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“. Cericius ist Jahrgang 1970, aufgewachsen in Hannover und sang als Kind im Knabenchor Hannover, mit dem er schon früh weltweit auf Konzertreisen ging. Später studierte er Sozialwissenschaften, war Programmplaner und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim NDR, wechselte zur VGH und gründete dort den Bereich Unternehmenskommunikation. Er unterrichtete an der hannoverschen Musikhochschule und der Stiftungsuniversität Hildesheim, war zwei Jahre verantwortlich für für das Programm des Projekts „850 Jahre Kloster Loccum“ und leitet derzeit das Netzwerkbüro bei der VGH. Seit 2006 ist Cericius zudem ehrenamtlicher Versitzender des Freundeskreis Hannover und veranstaltet als Vorsitzender des Vereins Lauschkultur alljährlich die a-capella-Woche. 2015 wurde er in die Kunstkommision der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin berufen. Die Jahreslosung 2017 nahm Cericius gewissermaßen beim Wort. Sie ist aus seiner Sicht angesichts der Reaktionen vieler Menschen auf Krieg, Terror und Flüchtlingselend aktueller denn je. Die Herzen der Menschen sind versteinert, sie fühlen sich bedroht und überfordert und überlassen den Populisten und den lautstarken Vereinfachern das Wort, anstatt ihren Verstand zu gebrauchen. Postfaktisch, das Unwort des Jahres 2016 macht die Runde. Wahrheit und Unwahrheit werden nicht mehr differenziert, Fakten werden ignoriert und der Verstand setzt aus. Cericius zufolge aber hat Gott dennoch Vertrauen in die Menschen und setzt nach wie vor auf deren verstandesmäßige Fähigkeiten, was in dem Wort „Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ auch zum Ausdruck komme. Es habe schließlich keinen Sinn, einen neuen Motor in ein altes, halbverrostetes Fahrzeug zu verpflanzen, so Cericius` pragmatischer Vergleich.
Wenn das Beispiel Schule macht, könnte sich Gott künftig sicher auch wieder anderen, erfreulicheren Dingen zuwenden, anstatt neue Herzen und neues Hirn zu verteilen.