Die Inklusion bleibt erst einmal außen vor

Der Ratssaal war so gut besetzt wie selten. (Foto: O. Krebs)

SPD und Grüne beschließen zehnklassige Gesamtschule gegen biregio-Empfehlung

Langenhagen (ok). Pädagogik und Bauen – zwei Paar Schuhe, die sich nicht unbedingt vertragen? Für den Grünen-Politiker Dirk Musfeldt auf jeden Fall, denn in der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Stadtplanungs-und Bildungsausschusses machte er deutlich, dass für ihn auf zwei Ebenen argumentiert werde. Das sei so einfach nicht zulässig machter er an die Adresse von Wolf Kraemer-Mandeau von der Projektgruppe biregio deutlich. Die hatte im Auftrag der Stadt die Langenhagener Schullandschaft unter die Lupe genommen. Und dabei nach Ansicht mehrerer Vertreter aus Langenhagener Schulen das Thema Inklusion nicht ausreichend berücksichtigt worden, Differenzierungsräume fehlten in den Planungen, auch vor dem Hintergrund sich stark verändernder Schülerzahlen. Relativ hart in Gericht mit biregio geht IGS-Schulleiter Wolfgang Kuschel in seiner Stellungnahme, kritisiert, dass es im Schulzentrum keine gemeinsame Begehung gegeben habe; eine Abstimmung über die schulformspezifischen Besonderheiten und die faktischen pädagogischen Trend nicht erfolgt sei. Das Gymnasium spricht sich aus Gründen der Synergie für eine Beibehaltung eines Schulzentrums zusammen mit der Integrierten Gesamtschule aus. So könnten Anlagen gemeinsam genutzt werden – etwa Sportplatz, Aula, Mensa, Bibliothek; Lehrer könnten im Bedarfsfall problemlos abgeordnet werden. Ein Keller sei dringend erforderlich, Schüler und Lehrer müssten bei der Gestaltung der Fachräume und auch der Lehrerarbeitsplätze mit ins Boot geholt werden. Die Zeit der Außenstelle in der Hindenburgstraße müsse endgültig vorbei sein. Die stellvertretende Schulleiterin Gabriele Janke: „Bisher waren wir Meister darin, den Mangel zu verwalten.“ Das Gymnasium brauche auch mit einer großen Veranstaltungshalle nach wie vor eine eigene Sporthalle. Nicht überzeugt hat Janke das Passivhauskonzept ebenso übrigens wie ihren IGS-Kollegen Wolfgang Kuschel. Harsche Kritik übte Ratsherr Jens Mommsen (BBL), das Modell sei gnadenlos gescheitert, die Lüftung funktioniere nicht. Und für Gesamtschuldirektor Wolfgang Kuschel ist in jeder Hinsicht klar: „Die Architektur muss der Pädagogik dienen.“ Deshalb unterstützt seine Schule auch vorbehaltlos die Idee einer Intergrierten Gesamtschule von Klasse eins bis zehn an der Brinker Schule und damit den Wunsch der beiden Schulleitungen und der rot-grünen Ratsmehrheit. Er sieht dort eine gewisse Dynamik. Die kommissarische Schulleiterin der IGS Süd, Mascha Brandt, sieht an dem Standort die Chance für eine Stadtteilschule, das genau sieht Wiolf Kraemer-Mandeau von biregio allerdings nicht. Die Schule werde von Schülerinnen und Schülern aus ganz Langenhagen besucht. Trotzdem: Mascha Brandt und ihre Kollegin von der Brinker Grundschule, Lieselotte Zühlow-Klein, sehen einen Riesenvorteil bei kurzen Wegen und einem nicht mehr notwendigen Schulwechsel. Das pädagogische Konzept könne von Klasse eins bis zehn durchlaufen.Gründe, die auch für SPD und Grüne ausschlaggebend waren, sich für das Konzept einer zehnklassigen IGS zu entscheiden, obwohl es auch bei Stadtbaurat Carsten Hettwer wegen der räumlichen Enge starke Bedenken gibt: „Wir haben dann mindestens fünf Jahre lang eine Baustelle.“ Der gesamtschulerfahrene Wolfgang Kuschel sieht die Entscheidung dagegen als die richtige an, an der IGS Roderbruch habe sich dieses Konzept seit Jahrzehnten bewährt. Pflöcke schlug rot-grün nach Ansicht des Christdemokraten Marco Zacharias auch beim Schulzentrum ein; Pflöcke die aber viel zu früh kamen. Das Pferd wird nach Ansicht der CDU von hinten aufgezäumt. Es seien schon konkrete Maßnahmen wie etwa den Bau einer gemeinsamen Stadt- und Schulbibliothek auf das Schulgelände an die Konrad-Adenauer-Straße festgelegt, ohne zuvor konkret die Ergebnisse der Aussprache in Sachen Schulentwicklung in Langenhagen einzuarbeiten. Und auch Maya Raschke, Realschullehrerin an der Robert-Koch-Realschule ist der Ansicht, zunächst einmal alles sacken zu lassen,weil doch eine Menge auf den Tisch gekommen sei. Keine Option für SPD und Grüne, die am Dienstagabend einen Beschluss haben wollten und ihren eigenen Antrag durchbekamen, der sich aber auch in großen Teilen mit den Vorstellungen der beiden weiterführenden Schulen deckt.