Die Liebe hört niemals auf

Anfang kommender Woche feiern wir in der katholischen Kirche Aller-
heiligen und Allerseelen. Diese Gedenktage feiern wir nicht im Hochsommer.
Wir begehen sie, wenn wir den Übergang vom Licht zum Dunkel am stärksten wahrnehmen, wenn wir dankbar sind für jede Stunde des Tages,
die Licht bringt. Am Allerseelentag gedenken wir unserer Verstorbenen,
besuchen ihre Gräber und zünden an ihrer Ruhestätte ein Licht an. So ge-
hört auch das Erleben der herbstlichen Natur zu diesem Tag: die herabfallen-
den Blätter, das tote Laub auf den Wegen, das Absterben der Natur.
Leben und Tod gehören zusammen: Jedes Leben hat ein Ende. Der Blick
in die Natur, auf alles, was lebt, zeigt uns: Nichts währt ewig. Alles
hat ein Ende.Und oft finden wir uns – mehr oder weniger gedankenlos – mit dieser Tatsache ab. Altes Leben vergeht, neues Leben entsteht. So ist der Gang der Welt. Doch beim Tod eines nahestehenden Menschen geht es nicht mehr nur um
irgendwelche Naturgesetzlichkeiten. Naturgesetze sind gefühllos, der Tod,
der Abschied vom einem lieben Menschen, schmerzt. Wir trauern, weil
uns dieser Mensch weiterhin wichtig ist, weil wir ihn weiterhin lieben,
obwohl er nicht mehr unter uns ist. Unsere Verbindung mit unseren Toten
ist nicht abgebrochen. Im Glauben wissen wir, dass wir mit ihnen ver-
bunden bleiben. Die Beziehung zu ihnen besteht weiterhin, denn das, was
sie uns gegeben haben, was wir ihnen geben durften, verbindet uns. Die
Dankbarkeit, die Zuneigung und die Liebe, die uns im Leben mit
ihnen verbunden hat, hört mit dem Tod nicht auf. Wenn es einen Gott gibt der uns
liebt, dann kann auch diese Liebe mit dem Tod nicht einfach zu Ende
sein. Die Verstorbenen leben in der Liebe Gottes. An die Auferstehung
glauben heißt, auf Gottes Treue vertrauen, auch in der Ohnmacht
des Todes. Damit ist Allerseelen ein Tag, der uns die Liebe Gottes
feiern lässt, die stärker ist als der Tod, die sich über den Tod hinaus
bewährt.

Klaus – Dieter Tischler, Pfarrer
der kath. Liebfrauengemeinde, Lgh.