Die Magie der Geräusche und die Kraft der Rhythmen

Stomp auf Leitern. (Foto: D. Lange)

20 Jahre Percussion Group Langenhagen

Langenhagen (dl). Wer hölzerne Kochlöffel und Bratenwender dazu zweckentfremdet, zur Erzielung eines rythmischen Geräuschs auf Tische einzuschlagen, der braucht gelegentlich Nachschub. Schließlich ist der Verschleiß bei dieser Art von „Tischmusik“ verständlicherweise größer als bei sachgerechter Handhabung in der Küche. Im Supermarkt kann das dann schon mal für fragende Blicke sorgen, wenn zur Deckung des laufenden Bedarfs gleich zwanzig oder mehr der hölzernen Küchenhilfsmittel geordert werden, Wie dem auch sei. Musik lässt sich jedenfalls so ziemlich mit allem machen, was gerade zur Hand ist. Den „schlagenden Beweis“ für diese These lieferte die Percussion Group der Musikschule anlässlich ihres Jubiläumskonzerts im Theatersaal. Häufig ziemlich lautstark, aber auch mit leisen Tönen. Perkussion ist sowieso weit mehr als nur Trommeln. Nicht nur, dass die Gattung der sogenannten Stabinstrumente wie Xylophon, Vibraphon und Marimba dazu gezählt werden, sondern weil eben alles mögliche, vor allem ganz alltägliche Dinge sowie der eigene Körper dazu geeignet sind, mit rhythmischen Geräuschen Musik zu machen. Etwas, wovon die Akteure auf der Bühne gerne und mit viel körperlichem Einsatz Gebrauch machten. Die im Rückblick erfolgreiche Geschichte der Percussion Group begann vor 20 Jahren als Schlagzeugensemble der Musikschule der Stadt Langenhagen, bis sich irgendwann der Name Percussion Group Langenhagen, kurz: PGL, durchsetzte. Zwei wesentliche Merkmale sind es, die den Charakter der PGL ausmachen, so deren Leiter Stefan Polzer. Zum einen der familiäre Charakter innerhalb der Gruppe und nicht zuletzt deren talentierte und ehemaligen Mitglieder wie das Ehepaar Oliver Schneider und Agnieszka Arlt, die heute beide erfolgreich als Schlagzeuger beim Radiophilharmonie-Orchester des NDR beschäftigt sind. Unter Kennern gilt das wie ein Sechser im Lotto, denn dort angenommen zu werden, ist alleine schon eine Auszeichnung für sich, und nach einem langen und strengen Auswahlverfahren. Auch der Österreicher Johannes Bohun ist ein ehemaliger Schüler und späterer Dozent der PGL. Bohun gehört heute zu den kreativsten Percussionisten und ist zudem das einzige deutschsprachige Mitglied der international erfolgreichen Percussiongroup Stomp. Zum lautstarken Finale Furioso des ersten Teils des Abends, der auf 20 Jahre PGL zurückblickte, traten denn auch fünf Perkussionisten in bester Stomp-Manier an, um mit dicken Starkstromkabeln auf unschuldige Haushaltsleitern einzuprügeln. Merke: es müssen nicht immer alte Ölfässer sein. Aluleitern sind leichter und handlicher und machen bei Bedarf genauso viel Krach. Im zweiten Teil machten dann „The Funky Currywurst Brothers“ die Bühne unsicher. Der Österreicher Johannes Bohun und der Däne Peter Nielsen bestätigten im Verlauf des Abends einmal mehr die These, dass es so gut wie nichts gibt, was ungeeignet wäre, um damit irgendeine Art von Musik zu produzieren und dass keine Idee zu abgedreht dafür ist.