"Die Toilette ist kein Mülleimer"

Mit der Rechenanlage werden die festen Abfälle in der Kläranlage herausgesiebt.

Sanitäre Missstände in vielen Ländern der Welt

Langenhagen. Welttoilettentag war am Donnerstag. An diesem Datum weist die „world toilet organisation“ seit 2001 auf sanitäre Missstände hin, die es in vielen Ländern der Welt noch heute gibt. Denn eine Toilette zu besitzen ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Luxus, den es zu pflegen gilt.
Mit dieser Aufgabe ist in Langenhagen allen voran die Kläranlage beschäftigt. „Im Langenhagener Einzugsgebiet werden täglich große Mengen Wasser verbraucht, wodurch etwa 16 Millionen Liter Abwässer pro Tag entstehen“, berichtet Uwe Spierich, Leiter der Kläranlage Langenhagen. Das verbrauchte Wasser wird durch die Kanalisation in die Zentralkläranlage geleitet, wo es mit großem Aufwand mechanisch, biologisch und auch zum Teil chemisch gereinigt wird.
Die Frauen und Männer auf der Kläranlage leisten einen guten Job, auch wenn ihnen dieser manchmal erschwert wird. „Über die Toilette entsorgte Abfälle landen zunächst in der Kanalisation, in den Pumpwerken und letztlich in der Kläranlage – und an allen diesen Stationen verursachen Essensreste und Co. Probleme“, erläutert Spierich. Sie müssen beseitigt werden, was zu erheblichen Mehrkosten führe, die letztlich allen Langenhagenern in Rechnung gestellt werden.
Dabei lässt sich die Lösung in einem Satz formulieren: „Die Toilette ist kein Mülleimer“, betont der Kläranlagenleiter und führt im Weiteren aus, wozu es führt, wenn Feucht- oder Fließtücher, Textilien oder Katzenstreu nicht über den Hausmüll, sondern über die Toilette entsorgt werden.
Textilien, Tampons, Einlagen, Kondome, Verbandsmaterial, Wattestäbchen, Zigarettenkippen und Katzenstreu können die Kanalisation verstopfen oder Pumpwerke lahmlegen, so dass regelmäßig Rufbereitschaftseinsätze nach Feierabend, an den Wochenenden und an Feiertagen notwendig sind. Ein großes Problem sind Feucht- oder Fließtücher, da sie besonders reißfest sind und sich im Wasser nicht zersetzten. In der Toilette runtergespült verursachen sie öfter Pumpenausfälle. Gelangen feste Abfälle bis ins Klärwerk müssen sie dort über die Rechenanlage aus dem Abwasser herausgesiebt und entsorgt werden.
Feuchttücher und andere feste Abfälle gehören in den Verpackungsmüll oder in den Hausmüll.
Küchenabfälle oder Essensreste sind zwar für das System weniger schädlich wie feste anorganische Abfälle. Doch über die Toilette runtergespült, bilden sie in der Kanalisation eine ideale Nahrungsgrundlage für Ratten. Diese grauen Nager und Krankheitsüberträger sind in der Lage durch Fallrohre viele Stockwerke zu überwinden und können so über die Toiletten in die Wohnungen gelangen.
Küchenabfälle und Essenreste gehören in den Bio- oder Hausmüll.
Einige Chemielösungen können die Bausubstanz der Kanäle schädigen. Andere enthalten Substanzen enthalten, die für Mikroorganismen giftig sind und daher den biologischen Abbau in der Kläranlage gefährden können. Dieses kann zur Folge haben, dass selbst biologisch zersetzbare Substanzen nicht mehr aus dem Abwasser entfernt werden und diese Verschmutzungen letztlich in das Trinkwasser gelangen können.
Flüssige Farb- und Lackreste und auch Lösungsmittel selbst müssen über Schadstoff- Sammelstellen entsorgt werden.
Nicht aufgebrauchte Medikamentenreste gehören ebenfalls nicht in die Toilette, da deren Bestandteile auch in modernen Kläranlagen nur zum Teil oder gar nicht aus dem Abwasser entfernt werden können. In der Folge kann das in der Kläranlage gereinigte Wasser noch Medikamentenreste enthalten, die mit dem Kläranlagenablauf in die Gewässer gelangen und so die Umwelt belasten.
Das Umweltbundesamt empfiehlt, unverbrauchte Arzneimittel über Apotheken und Schadstoffsammelstellen zu entsorgen, um sicherzustellen, dass die Medikamente verbrannt und somit vollständig zerstört werden.
Jeder kann mit seinem Verhalten die Kosten für die Abwasserreinigung reduzieren und so zum Schutz der Umwelt seinen Beitrag leisten.
Weitere Hinweise bzw. Satzungen sind auf der Website der Stadtentwässerung Langenhagen http://se-lagenhagen.de hinterlegt.