Drei Stadtdirektoren in einem Jahr

Hans-Heinrich Lange während seiner Amtszeit als Stadtdirektor. Er hat hat von 1960 bis 1972 viel für Langenhagen getan. Repro-Foto: E. A. Nebig

Was macht eigentlich Stadtdirektor a. D. Hans-Heinrich Lange?

Vor 50 Jahren, 1960 im Jahr nach der Stadtwerdung, amtierten drei Stadtdirektoren
Langenhagen (ne). Der Verwaltungsjurist Hans-Heinrich Lange wurde innerhalb des Jahres 1960 der dritte Stadtdirektor im erst 1959 zur Stadt erhobenen Langenhagen. Er lebt heute mit seiner Frau Waltraud, die sich im Tennissport einen Namen machte, im Ruhestand in einer Penthauswohnung am Stadtpark. Beide feierten bereits die eiserne Hochzeit. In diesem Jahr wurde der gebürtige Berliner 90. Auch sein damals dienstältester Mitarbeiter, Hellmuth Schmidt, Leiter der Hauptabteilung, feierte kürzlich den 90. Über 80 Jahre alt ist Malte van Hazebrouck, der mit Hans-Heinrich Lange seinen Dienst im alten Rathaus antrat, verantwortlich im Stadtplanungsamt wirkte und im Bürgerverein sehr aktiv wurde. Zu Langes damaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehörten unter anderem auch seine Chefsekretärin Linda Kneisel und deren Ehemann Heinz Kneisel, der als leitender Beamter im Ordnungsamt tätig war. Linda Kneisel war schon Chefsekretärin bei Stadtdirektor Otto Schwarz und blieb es bis zum Eintritt in den Ruhestand. Vier Stadtdirektoren hat sie erlebt! 1960 wirkten in Langenhagen innerhalb eines Jahres drei Stadtdirektoren. Ein Novum in Niedersachsen, wenn nicht in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Hans-Heinrich Lange trat nämlich die Nachfolge von zwei Stadtdirektoren an.
Der erste in der Reihe von insgesamt fünf war Ehrenbürger Otto Schwarz, der bei der Erhebung zur Stadt vom Gemeinde- zum Stadtdirektor befördert wurde. Er gab das Amt aus gesundheitlichen Gründen im März 1960 auf. Am 1. April 1960 wurde Bernhard Menzel, amtierender Stadtdirektor von Weener/Ostfriesland, sein Nachfolger. Des ständigen Gezänks zwischen fünf Ratsfraktionen schnell überdrüssig geworden, kündigte er bereits zum 31. August mit der Begründung, dass es ihm unmöglich sei, mit allen Fraktionen zu einer Zusammenarbeit zu kommen. ! Sprach's und kehrte nach Ostfriesland zurück.
Am 14. Oktober trat der Volljurist Hans-Heinrich Lange als dritter Stadtdirektor innerhalb eines Jahres seinen Dienst an. Bei seiner Wahl gab es zwei Gegenkandidaten. Als parteiloser Verwaltungschef machte er sich in den rasanten Aufbaujahren von 1960 bis 1972 verdient. Lange erwies sich dann als Mann des Ausgleichs, schuf maßgeblich die Basis mit, auf der 1974 die Neuordnung der Gebietskörperschaften stattfand. Mit seiner Hilfe wurden Grundlagen für die Selbstständigkeit der Stadt geschaffen. Lange forderte zum Beispiel, die Stadtbahnstrecke bis in das geplante Stadtzentrum mit Zentralbahnhof zu erweitern. Um mit öffentlichen Bauten beginnen zu können, tauschte er Grundstücke mit Hannover; es entstanden das Schulzentrum, das ohne Not wieder abgerissene Hallenbad, die Feuerwache und die Robert-Koch-Realschule. „Vieles diente dem Ziel, die Eingemeindung zu verhindern“, sagt Lange heute. Unter ihm kam es mit Hilfe des ECHO 1971 zur Bürgerumfrage „Eingemeindung ja oder nein“. Mehr als 90 Prozent stimmten für die Eigenständigkeit. Laut Lange die schönste Anerkennung für seine bisherige Arbeit.