Ein bewegtes Leben

Haben zehn Kinder, 47 Enkelkinder und 29 Urenkel: Anna und Peter Dückmann. (Foto: D. Lange)

Anna und Peter Dückmann feierten diamantene Hochzeit

Langenhagen (dl). Den Tag ihrer diamantenen Hochzeit am 2. Januar feierten Anna und Peter Dückmann nur im kleinen Kreis. Eingeladen hatten sie zu diesem Tag nicht, „Wer kommt, der kommt“, sagten die beiden Jubilare, „wir haben immer ein offenes Haus“. Die große Feier mit der ganzen Familie fand bereits Anfang Dezember im Dorfgemeinschaftshaus in Godshorn statt. Mit der „ganzen Familie“ heißt in diesem Fall: zehn Kinder, 47 Enkelkinder und 29 Urenkel. Damit allein war das Haus schon gut gefüllt, insgesamt waren es bei der Feier mehr als 100 Personen. Die Geschichte der Familie Dückmann lässt sich bis nach Ostfriesland im Jahr 1786 zurückverfolgen. Mitglieder der Familie sind im Laufe der Jahrhunderte sowohl nach Kanada als auch nach Polen und, wie im Falle von Anna und Peter Dückmann in die Ukraine ausgewandert. Dort wurden sie von Stalin als Sowjetbürger deutscher Nationalität zunehmend unter Druck gesetzt und 1937 schließlich im Alter von fünf und acht Jahren mit ihren Familien nach Kasachstan deportiert. In dem kleinen Ort Schewtschenowka in Kasachstan lernten sich die beiden kennen. Anna lebte noch bei ihrer Schwester, denn ihre Eltern waren bei der Deportation ums Leben gekommen. Als Traktoristin arbeitete sie auf den weiten Feldern im Umkreis ihres Dorfes und Peter war Schmied von Beruf, der einmal auch ihren Traktor reparierte. Schon nach zwei Monaten heirateten die beiden, mehr oder weniger heimlich. In der damaligen Sowjetunion hatte das Stalinregime alle christlichen Kirchen schließen lassen und den christlichen Glauben für nicht erwünscht erklärt, wenn nicht gar verboten. Deshalb kam der Pastor, um das Paar zu trauen, in das Haus der Familie von Peter Dückmann. Erst eine ganze Zeit später, am 2. Januar 1958 ließen die Eheleute auch die standesamtliche Trauung folgen, wofür sie damals noch nicht einmal einen Termin beim Standesamt beantragen mussten. Nach der Übersiedelung der Familie nach Kirgisien planten sie, nach Deutschland auszuwandern, denn sie waren ja als Russlanddeutsche zweisprachig mit Deutsch und Russisch aufgewachsen. Im muslimisch geprägten Kasachstan kam noch die kasachische Sprache dazu. Ab 1973 begannen sie, Ausreiseanträge zu stellen, aber erst 1988, im Zuge von Glasnost und Perestroika, erhielten sie die begehrten Ausreisepapiere für Deutschland. Sie beschlossen allerdings, nur gemeinsam mit der ganzen Familie auszureisen. Wenn nur ein Familienmitglied hätte zurückbleiben müssen, wäre sie nicht gefahren, sagt Anna Dückmann noch heute. Ihre erste Station in der neuen Heimat war das damalige Grenzdurchgangslager Friedland bei Göttingen. Von dort ging es nach Hannover, wo sie eine Zeit lang in Vahrenheide wohnten, bevor sie 1997 nach Langenhagen zogen. Die beiden Eheleute sind heute 81 und 84 Jahre alt und nach wie vor dankbar, dass sie damals nach Deutschland ausreisen durften und hier gut aufgenommen wurden. Nach einem Rezept für eine 60 Jahre währende Ehe gefragt, sagte Anna Dückmann: „Streu Blumen der Liebe in der Lebenszeit“ .