Ein Ende ist noch lange nicht abzusehen

Die Unterbringung der Flüchtlinge – ein Reizthema, das offensichtlich viele Kaltenweider interessierte.Foto: O. Krebs

Hitzige Diskussion um Flüchtlingsunterkünfte an der Pfeifengrasstraße

Kaltenweide (ok). Bürgermeister Mirko Heuer weiß schon, warum er nur in Ausnahmefällen eine Krawatte trägt. Bei der Diskussion im Zelleriehaus in Sachen Flüchtlingsproblematik – sie war vom Verein Bürger für Kaltenweide ins Leben gerufen worden – hatte der Verwaltungschef nämlich so manches Mal einen dicken Hals, sodass er mit einem Schlips um den Hals vielleicht Atemprobleme bekommen hätte. Das Reizthema des Abends waren die so genannten Unterkünfte in Modularbauweise – im Klartext Container. Sechs Standorte sind in Langenhagen in der Diskussion: Bauernpfad, Amtsweg, Robert-Koch-Schule, Auf dem Moorhofe, Parkplatz Leibnizstraße und auch an der Pfeifengrasstraße in Kaltenweide, am Eingang zum Neubaugebiet. In etwa einem Jahr könnten die Container für die Flüchtlinge und Asylbewerber stehen, geplant ist ein Modell wie an der Osterriedestraße, hauptsächlich von 20- bis 40-Jährigen bewohnt. Heuer gibt zu, dass der Anteil allein stehender Männer derzeit steigend sei. Eine temporäre Lösung für 30 Bewohnerinnen und Bewohner, wie Bürgermeister Mirko Heuer betonte. Gleichwohl machte er deutlich, dass alle das Thema noch über Jahre begleiten werde. 313 Flüchtlinge – die meisten aus Syrien (80) und Afghanistan (40) sind aktuell im Stadtgebiet untergebracht, der Schwerpunkt liegt zurzeit in Brink und Wiesenau. Sind es aktuell 25 Frauen, Männer und Kinder, die untergebracht werden müssen, könnte sich die Zahl im September schlagartig verdoppeln. Etwa fünf Tage vor dem geplanten Termin, gebe es eine genaue Zuweisung. Denn Mirko Heuer, der auf ein Integrationskonzept mit Sozialberatungsdienst setzt, stelle im Zelleriehaus klar, dass jeder und jede nach Artikel 16 des Grundgesetzes das Recht habe, Asyl zu beantragen. Die Welle reißt also nicht ab, die Stadt plant zunächst einmal neben den sechs Bauten in Modularbauweise fünf feste Häuser. Mirko Heuer ist klar: „Wir hangeln uns von einer Notlösung zur anderen.“ Jeder habe das Recht, menschenwürdig zu leben. Aber wenn es so weitergehe, müsse auch über Zeltlösungen nachgedacht werden. Und auch Aufstockungen der Containerunterkünfte seien natürlich möglich. Die Anwohnerinnen und Anwohner – fast 100 waren ins Zelleriehaus gekommen – sind mit dem Standort „direkt vor den Wohnzimmern“ überhaupt nicht einverstanden. Die „traumatisierten Menschen“ bräuchten professionelle Hilfe, die Diskussion über den Standort hätte schon vor vier Jahren geführt werden müssen. Vom Wertverlust der Häuser war die Rede und vom versprochenen Wohnen im Grünen. Heuer entgegnete: „Die Entwicklung konnte doch niemand vorhersehen.“ Und setzte leicht genervt noch einen drauf, als der Vorwurf der mangelnden Transparenz bei der Informationsübermittlung aufkam: „Es wäre doch nicht anders gelaufen, wenn wir Flugblätter verteilt hätten.“ Integration sei eben ein riesiges gesellschaftliches Problem, Diskussionen gebe es um jeden Standort – sei er im Neubaugebiet oder aber in der Nähe von Schulen. Der Verein Bürger für Kaltenweide will deswegen einen speziellen Arbeitskreis ins Leben rufen, wer Interesse hat, möge sich bitte beim Vorsitzenden Markus Villwock unter der E-Mail-Adresse mv@030855.de melden. Die anwesenden Politiker sicherten jedenfalls ihre „volle Unterstützung“ zu, Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr machte deutlich, dass Vereine wie AWO und DRK und auch Repair-Café in Sachen Integration bereitstünden. Offensichtlich gute Voraussetzungen für die von der Kaltenweider SPD-Fraktionsvorsitzenden Annette Spremberg angestrebten „Willkommenskultur.“