Ein Eurofighter in Langenhagen

Ein Mann des direkten Wortes: Ingo Anderbrügge.  (Foto: R. Thode)

Fanklub lädt seinen Namensgeber ein

Langenhagen (rt). Die Knappen, Königsblaue oder auch Meister der Herzen sind nur einige der charakteristischen Begriffe, die den Kultverein aus dem Ruhrpott treffend beschreiben. Doch ein Synonym lässt die Herzen der Fans des Fußballbundesligisten höher schlagen. Eurofighter! Ein Wort wie Donnerhall. Es steht für die erfolgreichste Zeit des FC Schalke 04 in der jüngeren Vergangenheit. Europacupabende, die sich in die Herzen der Fans eingebrannt haben. Engagement, Leidenschaft und unbändiger Wille zum Sieg gepaart mit enthusiastisch unterstützenden Fans ließen den Mythos der Eurofighter aufkommen. Namen wie Olaf Thon, Jens Lehrmann oder Marc "Willi, das Kampfschwein" Wilmots waren im Jahr 1997 jedermann geläufig. Und am Ende einer begeisternden Uefa-Cup-Saison stand der Gewinn des größten Titels der Vereinsgeschichte. Einer der Protagonisten der magischen Nacht im Mailänder Guiseppe-Meazza-Stadion war nun Gast im Langenforther Schützenhaus. Pächter Wolfgang Krause und der Langenhagener Schalke- Fan-Klub hatten zu einer Bezirksversammlung mit prominentem Besuch eingeladen. Kein großer Balljongleur, aber einer von ihnen war gekommen, um Erinnerungen und Interna eines bewegten Fußballerlebens preiszugeben. Der Namensgeber des Fanklubs Ingo Anderbrügge, rank und schlank, 54 Jahre alt hatte, 11 Jahre ein Schalker, hatte sich auf den Weg in die Flughafenstadt gemacht. Bestens aufgelegt plauderte der Linksfüßler mit der gewaltigen Klebe aus dem Nähkästchen. Über die Anfänge in Dortmund, die Zeiten in der zweiten Bundesliga und die "geile Zeit" im Uefa-Cup. Seine Jahre in Dortmund haben Spaß gemacht, doch "mein Herz schlägt blau-weiß" ließ er unter dem Jubel der Besucher wissen. Die mehr als 100 blau-weißen Fans löcherten den sympathischen gelernten Industriekaufmann mit allen möglichen Fragen. Als ehemaliger Spieler, Trainer, Inhaber einer Sportschule, Kicker des NFL-Europe-Team Rhein Fire Düsseldorf, Buchautor wusste der Blondschopf mit seiner lockeren eloquenten Art die Massen in seinen Bahn zu ziehen. Als früherer Gladbachfan hat er Jupp Heynckes zu schätzen gelernt, später dann unter ihm trainiert. Bewundert hat er Felix Magath aufgrund seiner ruhigen Art. "Trainer sind schon arme Schweine, aber am Magath prallte alles ab. Als wenn der sich eine Rüstung montiert hätte." Huub Stevens, Jahrhunderttrainer auf Schalke, kannte nicht nur die Stärken und Schwächen des Gegners. "Der wusste sogar, dass ein Spieler Karies oben rechts hatte und welche Haarfarbe seine Frau. So einen  detailversessenen  Trainer kannten wir vorher nicht." Der Fußballlehrer hörte sich natürlich die Sorgen der Fans genau an. Welcher Spieler, warum zu welchen Konditionen auf einmal wechseln muss. Nach dem Mund wollte Anderbrügge den Fans allerdings nicht reden. Er drehte die Fragestellung meist geschickt um, was schnell zum Umdenken führte. "Was würdest du denn deinem Sohn raten" oder "natürlich kommen Jugendspieler mit Rechtsbeistand zu Vertragsverhandlungen um einen fairen Kontrakt zu bekommen". Ein Eurofighter mit einer Prise Humor und ganz viel Insiderwissen ließ den Abend wie im Flug vorbeigehen. Teile der darauf folgenden eher bürokratischen Versammlung verfolgte er dann bei einer deftigen Currywurst mit Pommes, um nach knapp zwei Stunden mit einem kräftigen "Glück Auf" die Heimreise anzutreten