Ein ganz besonderes Programm

Zwei, deren Musik kaum unterschiedlicher sein könnte: Toni Mahoni ...
 
... und Götz Alsmann. Fotos: D. Lange

Die Jubiläums-Mimuse – eine kleine Rückschau von Dirk Lange

Langenhagen (dl). Das internationale Kleinkunstfestival Mimuse feierte seinen 30. Geburtstag in diesem Herbst mit einer Fülle von Veranstaltungen; allein 14 davon im Theatersaal der Robert-Koch-Schule. In dieser Woche ist die Mimuse zu Ende gegangen, ECHO-Mitarbeiter Dirk Lange unternimmt daher hier einen kleinen Rückblick auf ein ganz besonderes Programm.
Bei der Jubiläums-Eröffnungsshow standen gleich zwei der derzeit besten deutschen Kabarettisten auf der Bühne, beide wurden schon mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnet: Volker Pispers als Moderator des Abends „Mimuse Maxi Mix“ und Matthias Deutschmann, der sich eigentlich in diesem Jahr eine Auszeit von der Bühne genommen hatte, um sein neues Programm zu schreiben. Beim Publikum und auch beim Veranstalter, dem Klangbüchsen-Team, ist Pispers die Nummer 1 des politischen Kabaretts und Garant für ein ausverkauftes Haus. Er ist einer, der Klartext redet, einer, der es versteht, die mitunter sinn- und inhaltsleeren Worthülsen bundesdeutscher Politiker auch als solche zu entlarven. Wenn wir noch dazu durch die Wikileaks-Enthüllungen erfahren, wie etwa die amerikanischen Diplomaten die Kompetenzen unserer politischen Führungsriege einschätzen, dann können wir als geübte Mimuse-Besucher ganz entspannt sagen: Wissen wir doch längst! Ein Gast der Show war der Berliner „Liedermacher“ Toni Mahoni mit seiner Band. Mahoni macht zwar tatsächlich Lieder, aber mit seiner rauchigen Stimme und der schnoddrigen Straßen- und Kneipenlyrik unterscheidet er sich doch sehr von Kollegen wie Hannes Wader und Bodo Wartke, die während dieser Mimuse ebenfalls im Theatersaal zu Gast waren.
Auch Matthias Brodowy ist ein häufiger und gern gesehener Gast auf den Bühnen von Daunstärs und Theatersaal, den die Langenhagener spätestens seit seiner identitätsstiftenden Langenhagen-Hymne kennen. Im Oktober stellte er sein neues Programm „Offenbarung“ vor und moderierte im Dezember die Nikolaus-Show mit Gästen wie dem Stuttgarter Comedy-Trio „Eure Mütter“, die sich mit Problemen wie „Intimrasur – ja oder nein?“ herumschlagen. Bei ihnen setzt man sich besser nicht in die erste Reihe, denn bei ihrer bekanntesten Nummer, dem fulminanten Synchron-Haarewaschen, wird es grundsätzlich nass – auf und vor der Bühne. Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker, in Langenhagen ebenfalls kein Unbekannter, stellte sein Programm „Ja, was glauben Sie denn?“ vor, quasi als himmlischen Religions-TÜV. Dahinter verbarg sich eine humoristische Aufarbeitung von 2.000 Jahren Religionsgeschichte, die Religion und Humor aufs Vorteilhafteste miteinander verband. Erst wenn die Religion ohne Humor daher kommt, dann kann es gefährlich werden.
Das Jubiläumsprogramm der Mimuse hatte neben ihrer Paradedisziplin Kabarett aber auch ganz viel Musik zu bieten. Chris Barber, der Altmeister des europäischen Dixieland, kam mit seiner Big Band in den Theatersaal und mit ihm viele seiner Fans. Barber ist mittlerweile 80 Jahre alt und nicht nur ein großer Jazzmusiker; er hat schon in den frühen 60er Jahren schwarze Bluesmusiker wie Muddy Waters nach England geholt und ist damit quasi einer der Geburtshelfer des Rhythm’n’Blues in Europa.
Ein exzellenter Musiker, Volkssänger und Dichter und ein langjähriger Wegbegleiter von Reinhard Mey ist Hannes Wader, dessen Fans mit ihm älter geworden sind, wie man im Theatersaal feststellen konnte. Götz Alsmann dagegen ist ein ausgewiesener Experte des deutschen Jazzschlagers, Musikwissenschaftler, Entertainer, Moderator und natürlich Musiker. Er ist als Pianist schon 1982 bei der Mimuse dabei gewesen. Mittlerweise kennen ihn viele mit seiner Fernsehsendung „Zimmer frei“. Zum Mimuse-Jubiläum spielte er mit seiner vorzüglichen Band sowohl Eigenkompositionen wie auch die Schlager der frühen Jahre, als die Fernsehbilder noch schwarz-weiß waren.
Bodo Wartkes „Klavierkabarett in Reimkultur“ schließlich behandelt sowohl alltägliche Themen wie den Kampf mit dem PC und den Unbilden des Regens, selbstverständlich aber auch Zwischenmenschliches im Verhältnis von Mann und Frau. Auch da lauern ja bekanntlich diverse Fallstricke und Fettnäpfchen. Wartkes ungewöhnliche Texte kommen gerade bei der jungen Generation sehr gut an, und er selbst nimmt sich auch nach der Show viel Zeit für seine Fans. Und so war auch dieser Mimuse-Abend für ihn erst beendet, als jede Frage beantwortet, jedes Autogramm gegeben und jedes Foto mit den Fans im Kasten war.