"Ein Kleinod wird es nicht werden"

Derzeit wird das frühere Norta-Gelände auf den Neubau eines Edeka-Marktes vorbereitet. Was im hinteren Bereich gebaut wird, ist offen. (Foto: G. Gosewisch)

Politiker rätseln über Absichten der Stadtverwaltung

Langenhagen (gg). Mit dem Kahlschlag auf dem Norta-Gelände, dem Abriss der alten Fabrik an der Walsroder Straße, nördlich der Robert-Koch-Straße, rückt der angekündigte Bau des neuen Edeka-Marktes näher. Doch damit ist nur die Hälfte des Areals verplant. Möglich ist auf der östlichen Seite, die fast bis zur Virchowstraße reicht, sowohl Wohnbebauung als auch Gewerbe oder eine Mischung mit Freiflächen.
Skepsis herrschte in der jüngsten Sitzung des Stadtplanungsausschusses bei den Absichten der Stadtverwaltung, die um politischen Beschluss einer Machbarkeitsstudie bat. Diese Studie ist eine 60 Seiten starke Ausarbeitung von Szenarien, die ein Planungsbüro in Kassel im Auftrag der Stadtverwaltung für das fast vier Hektar große Areal im Sonderstatus Sanierungsgebiet erstellt hat. Darin werden Optionen aufgezeigt, die bisher wegen rechtlicher Vorgaben als unmöglich galten. Die Stadtverwaltung kann agieren, kann die Fläche kaufen und kann Verfahren einleiten, die rechtliche Schranken aufheben wie beispielsweise in Bezug auf die Fluglärm-Schutzzone. Während sich die SPD gegen Wohnbebauung aussprach, argumentierten CDU, AfD und BBL dafür. Doch dies war nur ein Ausblick auf Entscheidungen, die im nächsten Schritt anstehen. Hans-Jürgen Jagau, Stadtheimatpfleger und beratendes Mitglied im Ausschuss, brachte es auf den Punkt: „Hier herrscht wohl Misstrauen. Man will der Stadtverwaltung keinen Blanko-Schein ausstellen und später mit vollendeten Tatsachen überrascht werden.“ Entsprechend konsequent votierte Maren Rietschel (Grüne) und enthielt sich der Stimme in Bezug auf die Option Wohnbebauung. Seitens der Stadtverwaltung versicherte Carolin Ottensmeyer, jegliche zukünftigen Prüfungsergebnisse dem Rat mitzuteilen. Gestalten, damit der Straßenzug optisch aufgewertet werde, sei das erklärte Ziel, betonte Stadtbaurat Carsten Hettwer - auch in Bezug auf den Bau des Edeka-Marktes, der zunächst entsteht. Maren Rietschel hatte sich vehement, aber vergeblich dafür eingesetzt, dass noch auf die Positionierung des Parkplatzes geachtet werde. Ihrer Meinung nach sollen nicht Autos stadtbildprägend sein, sondern der neue Einkaufsmarkt in den Blickfang rücken. Wolfgang Langrehr (SPD) gab zu Bedenken, dass ein Parkplatz, der von Passanten nicht beobachtet wird, zukünftig anfällig für Vandalismus und Ähnliches sein werde. Stadtbaurat Carsten Hettwer wies darauf hin, dass nach Eingang des Bauantrags am 13. Dezember nun seitens der Stadtverwaltung beim Investor nur noch um Zugeständnisse gebeten werden kann, und es keine wirkliche Einflussnahme mehr gebe. "Egal, wie Gebäude und Parkplatz angeordnet werden, wir werden städtebaulich Wertvolleres nicht erreichen", sagte Wolfgang Kuschel. "Ein Kleinod wird es sowieso nicht werden", ergänzte Joachim Balk (FDP) zur zukünftigen Straßenoptik.