"Ein Mann der Verwaltung"

Hermann Euscher, ehemaliger Gemeindedirektor von Godshorn und Stadtrat in Langenhagen, berichtet von seinen Erfahrungen. (Foto: D. Lange)

Hermann Euscher feiert 95. Geburtstag

Godshorn (dl). Alt werden heißt gleichzeitig auch, sich erinnern können. Und davon erzählen. Das trifft in ganz besonderen Maße auf Hermann Euscher zu, der am Nikolaustag 95 Jahre alt wurde.
Ein Alter also, das zu erreichen nur recht wenigen Menschen vergönnt ist, noch dazu in dieser geistigen Klarheit, dessen ist sich Euscher wohl bewußt. Man kann ihm nichts vormachen. Geboren und aufgewachsen im ostwestfälischen Herford war Euscher Zeit seines Lebens ein Mann der Verwaltung. Sein Berufsleben begann als Stadtangestellter in Herford und führte ihn über das Amt für Gesundheit und Soziales bis hin zum Leiter des Personalwesens. Nachdem Euscher in Herford keine berufliche Perspektive mehr sah, bewarb er sich auf die Stelle des Gemeindedirektors in Godshorn und wurde angenommen. Zum Glück für Godshorn, könnte man sagen, denn Euscher hat in dieser Zeit von 1961 bis 1974, bis zur der Gebiets- und Verwaltungsreform, doch einiges bewegt. In seiner Amtszeit entstand das Godshorner Schwimmbad, nachdem er kurzerhand die Initiative ergriff und das dafür notwendige Grundstück mit 42.000 Quadratmetern von der Stadt Hannover für wenig Geld gepachtet hatte. Damit hatte er die anderen Bewerber um den Standort wie Vinnhorst, Schulenburg und Engelbostel, die damals ebenfalls noch selbstständig waren, ausgestochen. Der Sozialdemokrat Hermann Euscher sorgte in Godshorn unter anderem für eine moderne Infrastruktur und forcierte den Straßenbau im Ort. Als Folge der Gebietsreform 1974 wurden die bisher selbstständigen Ortsteile mit der Stadt Langenhagen zusammengelegt und Euscher zum Dezernent für Jugend, Soziales, Sport und Bäder ernannt, ein Amt, welches er bis zu seiner Pensionierung 1983 innehatte. Auch wenn er seit 1947 Mitglied der SPD ist, zog er doch die Arbeit in der Verwaltung einem politischen Amt vor. Bürgermeister zu werden reizte ihn nicht. Die Städtepartnerschaft mit Le Trait in der Normandie in Frankreich geht ebenfalls auf Euschers Initiative zurück. Aus diesem Grund war er auch noch viele Jahre Vorsitzender des Freundschaftskomitees. Die Entscheidung für die kleine Stadt unweit von Rouen fiel nicht nur aufgrund dessen Ähnlichkeit mit Godshorn, sondern hat auch mit Euschers Kriegserlebnissen zu tun. Euscher war während des Krieges mit seinem Fernkampfgeschwader 40 als Besatzungssoldat in Bordeaux-Mèrignac stationiert. Von dort aus wurden die alliierten Geleitzüge im Atlantik ausfindig gemacht und angegriffen. Seine oftmals bitteren und gefahrvollen Erlebnisse und Kriegserfahrungen hat Euscher vor fünf Jahren in einem Buch festgehalten mit dem Titel „Fragt doch das Meer“. Den Krieg hat Euscher zwar überlebt, aber seine Erinnerungen daran sind nach wie vor präsent. Schmerzhafte Erinnerungen, die ihn heute noch berühren und emotional aufwühlen. Es sei deshalb empörend, wie leichtfertig schon wieder von Krieg gesprochen wird. Im Vorwort zu seinem Buch schreibt Euscher: „Die schönsten Jahre unseres Lebens haben wir einem sinnlosen Krieg geopfert. Krieg und Gewalt zerstören Leben. So etwas darf keine Generation mehr zulassen“.