Ein Praktikum beim Ortschef

Die Kaltenweider marschierten wieder auf dem Festplatz ein.Fotos: O. Krebs
 
60 Jahre im Schützenwesen aktiv: Ernst-August Baumgarte (links) und Siegfried Dankowsky.

Viele kleine Anekdoten beim gut besuchten Kaltenweider Schützenfest

Kaltenweide (ok). Im Jahr 2001 machte der FC Schalke 04 in der Fußballbundesliga als „Meister der Herzen“ auf sich aufmerksam, beim Kaltenweider Schützenfest im Jahre 2010 setzte Daniel Hose noch einen drauf und sicherte sich den inoffiziellen Titel eines „Bürgermeisters der Herzen“.
Denn: „Mit vielen Worten nichts sagen“, könne er auch, so Hose, der sich daraufhin spaßeshalber für ein 14-tägiges Praktikum bei Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr bewarb. Langrehr schlug erfreut ein und hatte beim Katerfrühstück schon gleich zwei Aufgaben für Hose in petto: Der Kaltenweider soll sich zunächst einmal im Kaffee kochen und Putzen der Verwaltungsstelle versuchen. Aber Hose machte sich nicht nur als hoffnungsvoller Nachwuchspolitiker einen Namen, sondern auch als treffsicherer Schütze, sicherte sich den Ortsratspokal. „Wenn auch mit einem bescheidenen Teiler“, wie sein zukünftiger „Chef“ Wolfgang Langrehr bei seiner Rede zum Katerfrühstück schmunzelnd anmerkte. Obendrein wollte der Ortschef auch noch in die Regularien des Schützenvereins eingreifen, regte eine Satzungsänderung in Sachen Wohnort der Könige an. „Immer wenn die Königinnen und Könige in Kaltenweide wohnen, ist beim Schützenfest schönes Wetter“, hatte Langrehr als „Gesetz der Serie“ festgestellt. Und in der Tat: Auch in diesem gab es lediglich beim Katerfrühstück einige heftige Regengüsse, ansonsten herrschte überwiegend strahlender Sonnenschein. Eine Tatsache, die sich sicher auch auf die Besucherzahl niederschlug: Der Festplatz war an allen vier Festtagen gut frequentiert, und auch im Festzelt ging es an den Abenden immer hoch her. Allein am Freitag waren es gut 1.400, die zu Discoklängen abhotteten. Kein Wunder, dass Gerriet Kohls, Pressesprecher des Schützenvereins, ein positives Fazit zieht: „Vor allen Dingen ist es super, dass es keine Schlägereien oder andere Randale gab. Und so langsam gelingt es uns auch immer besser, das Weiherfeld zu integrieren.“
Ihre Sache sehr gut machten übrigens auch Thomas Moeck, der den erkrankten Vorsitzenden Lutz Wesemann vertrat, und das Young Spirit Orchestra. Die Musiker sorgten zusammen mit Gastsängerin Corinna Fiedler und den Holzhackerbuam für ein tolles musikalisches Rahmenprogramm während der Pfingsttage.
Nachdenkliche Worte fand Ortsbürgermeister Wolfgang Langrehr allerdings während des Scheibenannagels bei Bürgerkönig Thomas Buschhorn, zugleich Spielmann beim Spielmannszug Kaltenweide. Dem droht aus Mitgliedermangel die Auflösung, und Langrehr warb für die Weiterexistenz des Ensembles. Sollte er aufgelöst werden, sei das mehr als bedauerlich, denn es verschwinde ein Stück Kaltenweider Tradition.
Fehlen noch die Auszeichnungen aus der „Hochburg für sportliche Erfolge“, von denen es beim Katerfrühstück neben dem schon erwähnten Ortsratspokal eine Menge gab. Stellvertretend seien hier der Schützentaler für den „guten Geist“ des Vereins, Werner Wilkening, und die Ehrennadeln in Gold für Ernst-August Baumgarte und Siegfried Dankowsky genannt. Die beiden Schützenveteranen gehören dem SV Kaltenweide bereits seit 60 Jahren an.