Ein Praktikum ist hilfreich

Talkrunde über die Auswahl passender Auszubildender: Ralph Sensing (von links), Dina de Haas von Kausa, der Servicestelle der Region Hannoer, Lisa Brüggen und Helmut Passenheim. (Foto: O. Krebs)

Große Nachwuchssorgen und Imageproblem gerade im Handwerk

Langenhagen (ok). Ein Praktikum hilft in jedem Fall – entweder auf dem Weg zum Traumberuf oder bei der Entscheidung, dass der Job doch nicht der richtige ist. Eine Art der Berufsorientierung, die an der IGS Langenhagen eine große Rolle spielt. Zwei 14-tägige Praktika absolvieren die Schüler in der Sekundarstufe I. 14 Prozent der Abgänger nach Klasse zehn nehmen eine Ausbildung auf. Anke Kaiser, Leiterin des Fachbereiches Arbeit, Wirtschaft und Technik an der IGS Langenhagen: „Diese Quote wollen wir gern noch erhöhen.“ Bei den Betrieben hat sie eine hohe Bereitschaft festgestellt, Praktikanten aufzunehmen. Und auch eine gewisse Flexibilität. Anke Kaiser wünscht, dass noch eine unbürokratischere Bewerbung sei. Außerdem mehr feste Ansprechpartner für die jungen Leute und auch ein tatsächliches Interesse an jüngeren Auszubildenden. Was das Verhalten der Eltern angehe, so hätten Schule und Betriebe ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Auf der einen Seite gebe es Mütter und Väter, die sich kaum kümmerten, auf der anderen Seite Eltern, die die Bewerbung ihrer Sprösslinge komplett in die Hand nehmen.
Aus dem Nähkästchen aus Sicht der Unternehmen plauderten beim jüngsten Ausbilderfrühstück im Rathaus Lisa Böhm (Böhm Güterverkehr), Ralph Sensing (Malermeister Sensing) und Helmut Passenheim (Leonardo Hotel). Lisa Brüggen kann sowohl auf gute als auch auf schlechte Erfahrungen mit Auszubildenden zurückblicken; Ralph Sensing und Helmut Passenheim sehen für ihre Branchen ein Imageproblem, die Nachwuchssorgen seien enorm. Helmut Passenheim: „Wir sind auch bereit, auf die Schulen zuzugehen und uns auszutauschen. Das erwarten wir aber auch von Arbeitsamt und Jobcenter.“ Für Ralph Sensing ist eine Testphase für beiden Seiten von großem Nutzen. Und er hat eine gute Idee, geeignete Bewerber fürs Malerhandwerk zu finden. Sensing: „Ich lasse mir nach dem Praktikum einfach nochmal die Mappen vorlegen.“ Von den Beraternin Arbeitsamt und Jobcenter wünscht er sich mehr Neutralität, was die Auswahl der Berufe angeht. „Aussagen wie der Beruf ist dreckig und nicht sexy helfen uns nicht weiter.“ Lisa Brüggen wünscht sich von ihren Auszubildenden mehr Pflichtbewusstsein, aber auch mehr Selbstvertrauen. „Sagt einfach mal: 'Hier bin ich!'“, gibt die Mitarbeiterin von Böhm den jungen Leuten.
Die nächsten Termine, bei denen sich die Jugendlichen über ihren Traumberuf informieren können: die „Lange Nacht der Berufe“ am 21. September sowie der nächste Berufsfindungsmarkt im Frühjahr 2019.
Das Projekt "IT macht Schule" stellte Diethelm Heinen am Schluss der Veranstaltung vor. Im Wesentlichen geht es dabei darum, gezielte Praktika in Schulen zu vermitteln.