Ein Sportler zum Anfassen

Olympiasieger Ole Bischof trainiert mit den begeisterten Judokas.Foto: O. Krebs

Olympiasieger Ole Bischof trainiert mit begeisterten Judokas

Langenhagen (ok). Sie hängen förmlich an seinen Lippen, als der Meister spricht. Gebannt schauen die Judoka in der Hermann-Löns-Schule zu Ole Bischof, der den Athletinnen und Athleten Tricks und Kniffe näher bringt. Der Vorzeigejudoka ist auf Einladung des Judo-Clubs Godshorn und der Judo-Region Hannover an diesem Sonntag in die Hermann-Löns-Sporthalle gekommen, um drei Trainingseinheiten mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zu absolvieren. Und dabei wird schnell klar, dass der sympathische Judo-Vollprofi – nach eigener Aussage kann er seit der Goldmedaille vom Sport leben kann – mit Herzblut bei der Sache und ein Sportler zum Anfassen ist. Immer wieder greift er ein, sucht den Kontakt mit den Judokas aus Langenhagen und Umgebung, gibt Hilfestellung.
Im kommenden Monat steht für Bischof die Judo-Weltmeisterschaft in Tokio auf dem Programm, am Freitag geht’s ins Trainingslager nach Berlin, um den letzten Feinschliff verpasst zu bekommen. Denn: „Auch als Olympiasieger lerne ich immer noch dazu“ sagt Bischof, der in wenigen Tagen 31 wird, aus einer judobegeisterten Familie in Reutlingen stammt. Die Trainingseinheiten mit den Kindern und Jugendlichen, die Ole Bischof in der ganzen Republik anbietet, bringen ihn selbst auch immer wieder weiter. Ein Judoka lernt nie aus, muss immer wieder schauen, wie er die Schwäche des Gegners ausnutzen und seinen Kontrahenten zu Fehlern zwingen kann. Das ist ihm im Olympiafinale 2008 in Peking gegen den Koreaner Jaebum Kin im Halbmittelgewicht bis 81 Kilogramm einmal entscheidend gelungen, so dass er die olympische Goldmedaille errang. Und natürlich durfte diese alles entscheidende Technik vom 12. August 2008 in der chnesischen Hauptstadt nicht fehlen. Ein Fußhakler war’s, der Bischof zu diesem Coup verhalf. „Im Wettkampf eröffnet sich vielleicht nur eine Chance, da muss man hochkonzentriert sein, um den Gegner“, macht Bischof deutlich, der relativ spät mit dem Judo angefangen hat, viel später als viele Kinder, die an diesem Sonntag auf der Matte stehen und bewundernd zu dem Modellathleten aufschauen. Erst mit elf Jahren hat Bischof nach eigener Aussage den Gelbgurt gemacht, aber von da an ging es dann ziemlich schnell. „Mit 15 habe ich jeden Tag trainiert, mit 18 dann mein Abi gemacht, bevor es zur Bundeswehr in die Sportfördergruppe nach Köln ging“, plaudert Bischof aus dem Nähkästchen. In der Rheinmetropole lebt Ole Bischof heute noch, geht parallel zum Profisport einem Studium der Volkswirtschaftslehre nach. Aber auch das neigt sich dem Ende zu: „Ich bin scheinfrei, will Ende des Jahres meine Diplomarbeit angehen“, sagt Bischof. Aber erst einmal eben Tokio. Ole Bischof, der sich als relativ wettkampfstabil bezeichnet, gewinnt von 30 bis 40 Kämpfen im Jahr nach eigener Aussage etwa 80 Prozent. Einen hat er allerdings relativ deutlich verloren, und an diesen Tag mag der Weltklassejudoka nicht so gern erinnert werden. Vor gut zwei Jahren setzte es gegen das Allround-Talent Stefan Raab in dessen Show „Schlag den Raab“ eine heftige 3:63-Schlappe. Dabei hatte Ole Bischof nach den beiden Auftaktspielen „Luft anhalten“ und „Buchstabieren“ schon mit 3:0 geführt, dann in Vergleichen wie „Laufrad“, „Monstertrucks“, Fieldgoal“ oder aber „Weitspucken“ kein Land mehr gesehen. Bischof hat sich zuerst natürlich über diese deutliche Niederlage vor einem Millionenpublikum geärgert, hätte auch gern die Million Euro mitgenommen. Denn eins weiß er zumindest: In seiner Paradedisziplin Judo – er hat etwa 500 Mal die Matte als Sieger verlassen – macht der gelernte Metzger ihm nichts vor. „Stefan lehnt bis heute eine Revanche in der Disziplin Judo ab“, sagt Bischof augenzwinkernd.