Ein verkannter Humanist?

Hat sich viel mit Henri Dunant beschäftigt: Gesine Saft. (Foto: O. Krebs)

Gesine Saft referiert bei der Senioren-Union über Rotkreuz-Gründer Henri Dunant

Krähenwinkel (ok). Er war nicht gerade verfolgt vom Glück in seinem, aber am Ende seines Lebens gab es dann doch noch den Lohn für sein Engagement. 1901 wurde ihm nach einem Artikel in der Zeitung der Friedensnobelpreis verliehen. Der Titel „Ein verkannter Humanist?“, den die frühere DRK-Vorsitzende Gesine Saft ihrem Vortrag bei der Senioren-Union über den Gründer des Roten Kreuzes gegeben hatte, scheint also durchaus berechtigt zu sein. 1828 in gutbürgerlichem Haus in Genf geboren, nahm sein Leben in der Schlacht von Solferino 1859 seine Wende. Südlich des Gardasees prägte er in der grausamen Schlacht den Satz „Sono tutti fratelli (Wir sind alle deutlich)“. Er machte deutlich, dass allen Verwundeten auf dem Schlachtfeld geholfen werden muss, nicht nur denen der eigenen Fraktion. Aus seinen Erlebnissen rührt sein Buch „Eine Erinnerung an Solferino“, das er 1.300 Mal zum Nulltarif an Fürstenhäuser verteilt hat. Bei der Pariser Weltausstellung erhielt er einen Geldpreis, den sein Widersacher Guillaume-Henri Dufour aber gleich fürs Rote Kreuz einsackte. Als Dunant Bankrott ging, wurde er mit Schimpf und Schande aus Genf vertrieben. Das bewegte Leben verlief auf der Flucht durch die Welt, ehe ihm eben doch noch der Friedensnobelpreis für sein Lebenswerk, die Gründung des Roten Kreuzes verliehen wurde. Zufrieden starb er im Alter von 80 Jahren, hatte vorher aber den Wunsch geäußert, wie „ein Hund zu Grabe getragen zu werden.“ Und das in Zürich, nicht in seiner ungeliebten Stadt Genf. Gesine Saft abschließend: „Ich verehre Henri Dunant; er ist in seinem Leben schlecht behandelt worden und war nicht nur der lächelnde Papa, wie wir ihn oft auf Fotos in unseren Ortsvereinen sehen.“