Ein weißer Fleck in Sachen Einzelhandel?

Engelbostel: Kommunikation zwischen Verwaltung und Investor hakt

Engelbostel/Schulenburg (ok). Die Versorgungssituation im Westen der Flughafenstadt, momentan als Vollsortimenter der Edeka-Markt an der Heidestraße in Engelbostel und als Discounter der Aldi-Markt an der Desbrocksriede. Aldi soll nach Informationen des ECHO allerdings planen, den Standort an der Desbrocksriede aufzugeben.
Projektentwickler und -steuerer Karl-Heinz Müller aus Resse steht nach eigenen Angaben schon seit 2006 über die Alternativen mit der Stadtverwaltung in Verhandlungen, zeigt sich momentan aber rat- und fassungslos über das Verhalten der zuständigen Behörde. „Mir ist kein weiterer weißer Fleck einer solchen Unterversorgung in Niedersachsen bekannt, und die Verwaltung scheint trotzdem zu schlafen“, fährt der Wedemärker schwere Geschütze auf. Zur Erläuterung: Müller plant an Hannoverscher Straße/südlich Stadtweg ein Einkaufszentrum mit einem Vollsortimenter mit 1.200 Quadratmetern plus 500 Quadratmetern Fachmarkt und einem Discounter mit 800 Quadratmetern. Ein Vorhaben, das ein Gutachten unterstreiche. Auch die Flächen für den gemeinsamen Neubau der Feuerwehren Engelbostel und Schulenburg (4.695 Quadratmeter) sowie eine mögliche neue Sporthalle (4.600 Quadratmeter) habe er sich optional gesichert, nach seiner Aussage hängen die verschiedenen Projekte in den Verhandlungen mit der Kommune zusammen. Er hat allerdings den Eindruck, dass die Politik bei den Gesprächen nicht mitgenommen werde, Aussagen zumindest aus der Mehrheitsfraktion sehen anders aus.
Seit zwei Jahren lägen die Verhandlungen nun auf Eis; die Verwaltung präferiere einen Discounter am „Krummen Kamp“ als Ersatz für den 500 Quadratmeter großen Edeka-Markt an der Heidestraße. Für Müller eine „Lex Edeka“; der Konzern versorge mit seinen Märkten in Berenbostel und Godshorn ohnehin schon Engelbostel und Schulenburg; der neue Markt reiche wie der bisherige an der Heidestraße nicht aus, Kauf- und Steuerkraft ginge verloren. Aldi suche schon seit vielen Jahren einen Ersatzstandort für die Desbrocksriede, hat sich auch für das Projekt am Stadtweg beworben. „Sollte es dort nicht bald eine Entscheidung geben, will der Discounter aber auf dem Gelände des BV Werder in Hannover bauen“, will Müller wissen. An der Mecklenheider Straße sollen auch 3.000 Quadratmeter Verkaufsfläche enstehen. Im Klartext: Geht Aldi weg, sei Schulenburg unterversorgt, ein Discounter für beide Ortschaften reiche niemals aus. Müllers Fazit aus einem von ihm 2009 in Auftrag gegebenen Gutachten: Eine ausreichende Versorgung der 4.900 Einwohnerinnen und Einwohner Engelbostel und Schulenburgs könne nur mit einer zentral platzierten Verkaufsfläche von mindestens 2.000 Quadratmetern erreicht werden. Zusätzlich sollte der vorhandene Bestand von Edeka an der Heidestraße mit rund 500 Quadratmetern und der Aldi in Schulenburg-Süd mit rund 700 Quadratmetern erhalten bleiben.
Forsche Töne, die bei der Verwaltung überhaupt nicht gut ankommen: Konkret sei gar nichts gewesen, es habe lediglich „lockere Gespräche“ gegeben. Was den Weggang von Aldi angehe: Das stehe überhaupt nicht fest, solche Ankündigungen habe es von Seiten des Lebensmittelkonzerns schon des Öfteren gegeben und am Ende sei doch nichts dabei herausgekommen. Stadtbaurat Carsten Hettwer: „Das sind Drohbegärden. Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“
Am Montag werde der Flächennutzungsplan voraussichtlich im Rat der Stadt Langenhagen verabschiedet, der nur den Bau einer gemeinsamen Feuerwehrhalle an dieser Stelle vorsehe. Hettwer: „Dann können die Eigentümer, die einen Optionsvertrag mit dem Investor abgeschlossen haben, selbst entscheiden, ob sie weiter auf ein totes Pferd setzen wollen.“ Nur rund 10.000 der
etwa 30.000 Quadratmeter seien für die Bebauung des Feuerwehrhauses vorgesehen, den Rest der landwirtschaftlichen Flächen würde sich die Kommune für Ausgleichsmaßnahmen sichern.
Grundlage aller weiterer Planungen im Westen der Stadt sei das Einzelhandelskonzept für ganz Langenhagen, und das sehe an dem von Müller favorisierten Standort keinen Einzelhandel vor. Bürgermeister Friedhelm Fischer wird deutlich: „Mit solch einer großen Planung auf der grünen Wiese würden wir dem Stadtzentrum Konkurrenz machen.“ Und dort liege eindeutig der Schwerpunkt der Entwicklung.
Klar bekennt sich der Verwaltungschef auch zum Standort Heidestraße, der solle auf jeden Fall erhalten bleiben. Sei das aus irgendeinem Grunde nicht möglich, gebe es alternative Planungen für einen Discounter am „Krummen Kamp“. Aber das sei nur Zukunftsmusik.

Über die Entwicklung der 30.000 Quadratmeter großen Fläche südlich des Engelbosteler Stadtweges weichen die Vorstellungen von Investor und Verwaltung gänzlich voneinander ab.Foto: O. Krebs