Ein wilder Garten fürs kleine Stacheltier

Haben die Igel richtig in ihr Herz geschlossen (von links): Filina, Dicle, Elissa, Emily, Paula, Shams und Finn mit ihren Lehrerinnen Pia Pabst (links) und Gabriela Melcher.Foto: O. Krebs

Kaltenweide: Klassen 2a und 2b nahmen sich den Igel vor

Kaltenweide (ok). "Niedlich, dieser kleine Igel in unserem Garten! Der freut sich bestimmt über einen frischen Apfel und eine Schale mit Milch." Sätze, die oft fallen, wenn es darum geht, dem kleinen Mitbewohner im Garten etwas Gutes zu tun. Sicherlich gut gemeint, aber eine Idee, die dem stacheligen Zeitgenossen allerdings nicht gut bekommt. Denn: Der Verdauungstrakt ist einfach aufgebaut; nur Muttermilch und Wasser bekommt dem Igel gut. Und das Säugetier ist ein Fleischfresser, sucht deshalb höchstens in faulen Äpfeln nach Würmern, ernährt sich ansonsten unter anderem von Insekten und Schnecken. Die Klasse 2a an der Kaltenweider Grundschule hat den kleinen, flinken Stachelträger sogar in ihrem Namen, ist an ihrer Schule die Igelklasse. Zusammen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern aus der 2b haben sie sich jetzt intensiv mit ihrem Namensgeber auseinandergesetzt, fahren demnächst noch zum Igelhaus nach Laatzen. „Dort gibt es viele Tipps, die sich Kinder und ihre Eltern holen können“, weiß Klassenlehrerin Gabriela Melcher. Die Schülerinnen und Schüler wissen aber auch vor dem Ausflug schon richtig gut Bescheid, wie sie es dem Igel richtig kuschelig und gemütlich machen können. „Wir haben einen wilden Garten“, erzählt Pit. Mit Blättern, Reisig, Holz und Laub wird für die Igel ein Nachtlager hergerichtet. Oder vielmehr ein Taglager, denn: „Die Igel sind nachtaktive Tiere“, weiß Lea, die sich gut mit den kleinen Tieren auskennt und sie liebevoll mit einer leckeren Mischung aus Wasser, Hunde- und Katzenfutter versorgt. Und sie weiß auch: „Wenn die Igel tagsüber umherlaufen, stimmt meistens etwas nicht, und wir müssen das Igelhaus anrufen.“ Bei Minusgraden wird es eng für die kleinen oder kranken Igel, die sich noch keinen Winterspeck angefressen haben. Und zusätzlich lauern ja auch noch jede Menge Gefahren auf den Straßen. „Die größten Feinde des Igels sind in unserer zivilisierten Welt nicht die Greifvögel, sondern die Autos“, sagt Pädagogin Gabriela Melcher, die das Igel-Projekt zusammen mit ihrer Lehrerkollegin Pia Pabst in Angriff genommen hat. Aber was fasziniert die Kinder denn so an den Igeln, die den Menschen mit ihren Stacheln überhaupt nicht gefährlich werden können und so putzig knurren und schmatzen können? Da sind sich fast alle Kinder einig: „Es ist toll, dass sich die Igel so gut einrollen und tarnen können“, kommt bei Vielen wie aus der Pistole geschossen.
Jetzt kommt ja die kältere Jahreszeit, und Pia Pabst und Gabriela Melcher bitten die Autofahrerinnen und Autofahrer nicht nur in derem eigenen Interesse „den Witterungsverhältnissen angemessen“ auf vier Rädern unterwegs zu sein. So könnten viele Igel vor dem sicheren Tod bewahrt werden.
Wer einen Igel bei sich zu Hause im Garten hat und sich um ihn kümmern möchte, damit es ihm gut geht, kann sich gern an das Igelhaus in Laatzen unter der Telefonnummer (0511) 23 31 61 oder der E-Mail-Adresse kontakt@igelhaus-laatzen.de wenden.