"Eine bittere Pille"

AWO Langenhagen seit fünf Jahren in der Peko-Halle

Langenhagen (ne). In Langenhagen gibt es fünf Ortsvereine der Arbeiterwohlfahrt (AWO), nämlich in der Kernstadt sowie in den Ortschaften Engelbostel, Godshorn, Kaltenweide-Krähenwinkel und Schulenburg. Bei ihrer sozialen Arbeit stützt sich die AWO weitgehend auf ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus dem Kreis der Mitglieder. So ist es auch beim Ortsverein Langenhagen. Wer die Angebote der AWO genannt, nutzt, der ist bekanntlich nie allein; denn die Ortsvereine dieser 1919 gegründeten Sozialvereinigung, die sich in besonderer Weise der Seniorenbetreuung widmet. „Heraus aus der Isolation“ lautet dabei das Motto. Die AWO Langenhagen, mitgliederstärkster und einer der ältesten Ortsvereine in der Region, betrieb in der Kernstadt einst drei Begegnungsstätten. Heute gibt es nur noch die im September 2005 eröffnete in der Peko-Halle. Grund für den Ortsverein, jetzt das fünfjährige Bestehen im Beisein von Bürgermeister Friedhelm Fischer sowie Mitgliedern des Rates und Mitarbeiten der Verwaltung zu feiern. Dabei kam die Geschichte der AWO-Senioren-Begegnungsstätten zur Sprache, deren Gründungen vor allem auf dem Engagement Anneliese Rudolphs und ihres Ehemanns Gerd beruhten. Bewegt sprach sie jetzt mit Gästen über die Historie, die eine Erfolgsgeschichte war, die im Sommer 2003 wegen Sparmaßnahmen der Stadt abrupt endete. Begonnen hatte alles 1969 mit der Eröffnung der Tagesstätte Böhmeweg. Als Vorsitzende des Ortsvereins und Leiterin der Tagesstätte baute Rudolph das Betreuungsangebot mit einem Helferkreis kontinuierlich aus und richtete in der Folge die Tagesstätten Stadtmitte-Kastanienallee und Wiesenau ein. Von der Kastanienallee wurde später in die Mensa des Schulzentrums umgezogen. Böhmeweg und Wiesenau mussten ab 2003 aus finanziellen Gründen geschlossen werden. Drastische Kürzungen im Haushaltsplan der Stadt Langenhagen von Mitteln zur Förderung der ehrenamtlichen Senioren-Betreuungsarbeit durch die Sozialverbände hatte 2003 bittere Folgen für den AWO-Ortsverein, vor allem für die von der AWO betreuten, teilweise hochbetagten Senioren im so genannten Hindenburgviertel. Schweren Herzens musste der AWO-Vorstand nach 33 Jahren im Sommer 2003 die 1969 eröffnete “Begegnungsstätte Böhmeweg“ schließen. Die heutige AWO-Ehrenvorsitzende Anneliese Rudolph war damals den Tränen nahe, als sie die Hausschlüssel übergab. „Eine bittere Pille für die AWO“, berichtete das ECHO über diese Schließung, die ein schlechtes Licht auf Rat und Verwaltung warf. Man schob der AWO damals den sogar den schwarzen Peter zu, obgleich diese von den Kürzungen erst durch die Presse erfuhr! Anneliese Rudolph sagte damals bei der Schließung, sie sei notwendig geworden, da die AWO sich aufgrund der Etatkürzungen nicht mehr in der Lage sah, Miete, Mietnebenkosten und durch die Kürzungen verursachte Mehrkosten aufzubringen. Zudem hätte man im Rathaus, bei einem erbetenen Gespräch, dem Vorstand nahegelegt, Mietverträge zu kündigen und öffentliche Räume zu nutzen. Dabei sei gerade die Begegnungsstätte am Böhmeweg die erste in der Stadt gewesen, die in unmittelbarer Nachbarschaft seniorengerechter Wohnungen gelegen habe und eigens von der KSG für die Seniorenbetreuungsarbeit gebaut worden sei! Die damalige Bürgermeisterin Susanne Schott-Lemmer zollte damals der AWO-Betreuungsarbeit Respekt und machte dabei den Versuch, die Schließung der ältesten Begegnungsstätte in der Stadt zu rechtfertigen. „Abschied ist eine Chance für Neues, die Altenarbeit muss nun neu gebündelt werden ... “, erklärte sie wörtlich, während anwesende Angehörige von Rat- und Verwaltung betretene Gesichter machten. Es sollte nicht lange dauern, da musste auch die Tagesstätte in Wiesenau geschlossen werden, und auch der nun allein übrig gebliebenen “Begegnungsstätte Stadtmitte“ in der Mensa drohte das Aus, da die Nutzung zunehmend problematisch wurde. Doch 2005 gab es einen Lichtblick. Die Stadt bot der AWO die leerstehende Kneipe in der Peko-Sporthalle an, und die griff zu. Aber es gab viel zu tun, denn die neue Senioren-Begegnungsstätte am Schulzentrum musste in Eigenarbeit renoviert werden. Mit Unterstützung des Lions- sowie des Wirtschafts-Club-Langenhagen, dem Bastelkreis der AWO sowie der Stadt und Mitgliederspenden wurde das Werk begonnen. Im vielen Arbeitsstunden wurdeeine Senioren-Begegnungsstätte geschaffen, die sich sehen lassen kann. Der Neuanfang war gemacht, und das unterstrich auch Anneliese Rudolph: Nach mehr als 33 Jahren übergab sie aus Altersgründen ihr Amt als 1. Vorsitzende an Hedda Böwer.