Eine der ältesten Gemeinden Hannovers

Die Kirche wurde mehrmals um- und ausgebaut.

MITTENDRIN besucht Bartning-Notkirche St.-Petri in Döhren

Langenhagen. Die Gruppe MITTENDRIN der Paulusgemeinde Langenhagen nahm spontan den Besuch der St.-Petri Notkirche in Döhren ins Programm auf und verband das auch gleich mit einem Rundgang durch den Stadtteil.
Dazu nur so viel: Bruno Hanne, Vorsitzender der Gruppe Döhren-Wülfel IM KLEINEN FREIEN, führte gekonnt zu den Besonderheiten mit Schwerpunkt auf die Rolle der Döhrener Wollwäscherei und –kämmerei (WW&K). die von 1868 bis 1973 Wolle aus der ganzen Welt wusch und weiter bearbeitete. Die meisten Werksbauten wurden inzwischen durch Wohnhäuser ersetzt, aber der attraktive Uhrturm und einige andere Bauten zeugen noch von der einstigen Größe der „Döhrener Wolle“. Ständig hat man hier das Rauschen der Leine im Ohr. Das einstige Turbinenhaus des Wasserkraftwerks dient jetzt als Brücke und Zufahrt zu den Wohnungen auf der Leineinsel. Kleine Pointe am Rande: Auf dem Müllablageplatz der Firma fand man exotische Pflanzen. Ihre Samen waren als „Blinde Passagiere“ in der Wolle mitgereist!
Nach diesem Rundgang ging es zur Notkirche St.-Petri, am Lindenhofe 19. Hanne hatte nicht nur den Schlüssel für die Kirche beschafft, sondern gleich dazu auch den Experten für Notkirchen, Otto Häfner. Kurz wurde die Gruppe zunächst mit der Geschichte der Kirche vertraut gemacht. Es handelt sich um eine der ältesten Gemeinden Hannovers. Mehrmals wurde die Kirche um- und ausgebaut, der erhaltene untere Teil des Kirchturms 1913 aufgestockt und mit einem Turmhelm versehen. Im Jahre 1943 dann wurde das Kirchenschiff bei Luftangriffen völlig zerstört, nur der Turm blieb unversehrt.
Der Architekt Otto Bartning (1883 bis 1959) hatte ein geniales Konzept für den Bau von in Serie vorgefertigten Notkirchen entwickelt, die durchaus nicht als Provisorium gedacht waren, sondern zukunftsweisend als „neue Kraft aus der Not“ zu verstehen sind. Schon 1949 wurde die Petrikirche Döhren nach diesem Konzept von Otto Bartning mit den Kirchenmitgliedern und internationalen Spenden in nur sechs Monaten wieder aufgebaut und gilt unter den 43 verwirklichten Bartning-Notkirchen als die am besten erhaltene.
Das Bartning-Prinzip: Module aus standardisierten Holzbindern bilden ein Gerüst und geben der Kirche eine ganz besondere Atmosphäre. Licht spendet ein umlaufendes Band von Fenstern (ursprünglich Milchglas, seit den 60er Jahren kunstvoll gestaltetes Glas). Das Holz kam aus der Schweiz und Skandinavien. Für die Außenmauern fanden auch Trümmersteine der alten Kirche Verwendung. Im Altarraum fanden die historischen Grabdenkmäler des 16. bis 18. Jahrhunderts einen neuen Platz. Erst vor acht Jahren wurde die alte Orgel durch eine neue aus der Werkstatt Hermann Eule in Bautzen ersetzt.
Sehr interessiert folgte die Gruppe den umfassenden Ausführungen des Kenners, mahnte aber dennoch irgendwann wegen der eisigen Temperaturen zum Aufbruch. Nachlesen lässt sich die grandiose Geschichte der Notkirchen ausführlich im Internet.