Eine Frage des Vertrauens

Johanniter-Experte Urban Dressel verweist auf weitere Informationsquellen. (Foto: Johanniter/Lutz Krüske)

Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung

Langenhagen. Ein Thema, das alle angeht und viele bewegt: 47 Zuhörer folgten dem Vortrag der Johanniter im Nordhannoverschen Ortsverband. Im vollbesetzten Schulungsraum der Johanniter am Pferdemarkt ging es um zwei wichtige Bausteine im Betreuungsrecht, die Vorsorgevollmacht und die Betreuungsverfügung.
„Zwei Bereiche, die unterschiedliche Situationen beschreiben und festlegen, aber dennoch zusammen gehören“, erklärte Referent Urban Dressel, Johanniter-Mitarbeiter und Jurist. „In der Vorsorgevollmacht geht es um das Stellvertreter-Prinzip: Sie erlauben einer bestimmten Person in bestimmten Situationen für Sie rechtsverbindlich aufzutreten.“ Wichtig sei die genaue Definition des Aufgabenkreises. Man solle sich sehr genau überlegen, für welche Bereiche die Vollmacht gelten soll, so Dressel weiter. Die Palette ist umfangreich: Neben der Bestimmung über Wohnverhältnisse können zum Beispiel auch die Bereiche Gesundheit, Pflegebedürftigkeit, Vertretung bei Gericht oder Ämtern, aber auch Vermögensfragen und der Umgang mit Banken und Versicherungen zu den möglichen Aufgaben eines Bevollmächtigten gehören.
Eigentlich ist eine Vorsorgevollmacht ausreichend. Dressel riet den aufmerksamen Zuhörern dennoch dazu, eine Betreuungsverfügung aufzusetzen: „Damit erklären Sie dem Amtsgericht gegenüber, wer für Sie Ihre Belange vertreten soll, wenn Sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind.“ Damit verhindere man, dass im Fall der Fälle das Amtsgericht einen Betreuer bestimme, manchmal über die Köpfe der Betroffenen hinweg. „Praktischerweise sollten Vorsorgebevollmächtigter und potenzieller Betreuer ein und dieselbe Person sein. Sie können aber auch für einzelne Aufgabenkreise eine zweite Person bestimmen“, erläuterte Dressel.
Die Kernaussage seines Vortrages lautete: Bei der Auswahl der Person geht es in erster Linie um Vertrauen. Man solle sich sicher sein, dass die ausgewählte Person die eigenen Belange kenne und bereit sei, diese auch in seinem Sinne durchzusetzen.
Die Abfassung von Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung müsse nicht notariell beurkundet werden. Sinnvoll sei aber eine Beglaubigung der eigenhändigen Unterschrift. „Vor allem Banken und Ärzte sind oft eher bereit die Vollmacht schnell anzuerkennen und umzusetzen, wenn ein Notar seinen Stempel neben die Unterschrift gesetzt hat. Das spart Zeit, und die hat man selten in Situationen, wo die Vollmacht zur Anwendung kommen muss“, riet Dressel, der für die Johanniter in Braunschweig das Projekt „Recht erleben!“ betreut, in dem Schulklassen bei Gerichtsverhandlungen vor Ort hautnah erleben, wie Rechtsprechung in Deutschland praktisch funktioniert.
Zum Abschluss wies Dressel auf die gängigen Broschüren hin, die anhand von Erläuterungen, Checklisten und Formularvordrucken die Abfassung einer Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung entscheidend vereinfachen. Nach knapp zwei Stunden und begeistertem Applaus endete der Vortrag, der zu einer Veranstaltungsreihe der Johanniter gehört, die mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten weiter fortgeführt wird.