Eine Freundschaft, die es nie gab

„Sophie & ich“: Eine fiktive Freundschaft wirft Fragen nach Schuld und Verantwortung auf.

„Sophie & ich“ als Uraufführung in der IGS

Langenhagen (he). „Sophie & ich“ handelt von einer Begegnung, die es nie gegeben hat: Wie wäre es gewesen, wenn Traudl Junge, die im hohen Alter als Hitlers Sekretärin zu zweifelhafter Berühmtheit gelangte, mit der mutigen Widerstandskämpferin der Weißen Rose, Sophie Scholl, befreundet gewesen wäre?
Seit nunmehr vier Jahren präsentiert das Theater Löwenherz in Kooperation mit der IGS Langenhagen Theater von jungen Menschen für junge Menschen. Jugendliche Darsteller präsentieren ihre Themen, ihre Stücke und damit auch immer ihre Sicht auf die Welt. Vor gut einem Jahr ist dabei die Idee entstanden, sich mit theatralischen Mitteln mit dem Leben von Sophie Scholl und mit der Arbeit der Weißen Rose auseinanderzusetzen und sich so dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte anzunähern.
„Auf der Suche nach einem passenden Theaterstück sind wir dann fast versehentlich über ein Manuskript der Autorin Ursula Kohlert gestolpert, das uns vom ersten Moment an fasziniert und gefangen genommen hat“, erzählt Hendrik Becker vom Theater Löwenherz. Dieses Manuskript mit dem Titel „Sophie & ich“ handelt von der eingangs geschilderten Begegnung. In drei Zeitsprüngen wird die Entwicklung der fiktiven Freundschaft zwischen Traudl und Sophie in pointierten Szenen und klarer Sprache entworfen: Die erste gemeinsame Zigarette besiegelt die Freundschaft, der Krieg zwingt beide Jugendliche die ersten großen Verluste zu verarbeiten, die
Nachkriegszeit erlebt nur eine der beiden – doch im Selbstgespräch, im Traum, bleibt die andere, Sophie, Gesprächspartnerin und Anklägerin. „In diesen Zeiten musst du dich entscheiden“, sagt Sophie. „Es gibt nichts Unpolitisches und es gibt nur ein Entweder – Oder.“
„Sophie & ich“ ist ein Stück über Schuld und Verantwortung, das die Frage nach dem Mitläufertum stellt und in eindringlichen Szenen beantwortet. Paula Stöckmann und Nicola Behrens, zwei Schülerinnen des Jahrgangs 12 der IGS Langenhagen, präsentieren Ursula Kohlerts Manuskript „Sophie & ich“ unter der Regie von Hendrik Becker als Uraufführung; die Premiere findet am Dienstag, 9. November, um 19.30 Uhr in der Aula des Schulzentrums an der Konrad-Adenauer-Straße statt. Weitere Aufführungstermine sind am Freitag, 12. und 19. November, jeweils um 19.30 Uhr, außerdem am Dienstag, 16. November, um 10 Uhr.
Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt drei Euro; Gruppen zahlen pro Person zwei Euro. Kartenvorbestellungen sind möglich unter (01 62) 5 63 16 14 oder unter becker@theater-loewenherz.de. Das Stück dauert etwa 70 Minuten, im Anschluss daran sind alle Zuschauer herzlich zu einem Gespräch mit den Schauspielerinnen und dem Regisseur eingeladen.