"Eine Sekunde hat das Leben verändert"

Christoph Rickels machte deutlich, dass Gewalt nicht cool ist.

Gewaltopfer Christoph Rickels berichtete über sein Schicksal

Langenhagen. „Gewalt darf nicht mehr cool sein!“ Präventionswoche an der IGS Süd Langenhagen Eine Woche lang beschäftigte sich der achte Jahrgang der IGS Süd Langenhagen mit dem Thema „Gewalt“. Vorträge zur Ermittlungsarbeit der Polizei, der Erlebnisbericht eines Gewaltopfers sowie Besuche der Arrestanstalt Neustadt und einer Gerichtsverhandlung des Amtsgerichts Hannover standen auf dem Programm der vom Präventionsrat Langenhagen unterstützen Veranstaltungsreihe.
Im Unterricht haben sich die Schüler bereits mit dem Thema „Gewalt“ auseinandergesetzt. Doch nun erfahren sie ihre möglichen Auswirkungen „hautnah“: Der 30-jährige Christoph Rickels berichtet schonungslos offen von dem einen Schlag gegen die Schläfe, der ihn vor zehn Jahren mehrere Monate ins Koma gestürzt hat. Bis heute ist er schwerbehindert, die eine Körperhälfte gelähmt und er ist sprachbehindert: „Die eine Sekunde hat mein Leben von Grund auf verändert“, sagt Rickels. Die Jugendlichen sind nachdenklich, betroffen – vereinzelt sind feuchte Augen zu sehen – aber auch voller Hochachtung für Rickels Kampfgeist, mit dem er sich ins Leben zurückgekämpft hat. „Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass Gewalt nicht mehr cool ist“, so Rickels heute. Damit trifft er den richtigen Ton bei den Schülern. „Ich fand den Vortrag von Christoph gut, denn er hat uns gezeigt, wie stark er ist. Er hat gekämpft, damit er wieder glücklich ist und weiterleben kann. Ich fand es traurig, dass er wegen nur einem Schlag zu 80 Prozent behindert ist. Der Vortrag mit den Videos hat mir sehr gut gefallen“, urteilt ein Schüler und holt sich am Ende schnell noch ein Autogramm.
Dirk Schell, der Kontaktbeamte der Langenhagener Polizei, informiert in seinem Vortrag über die Ermittlungsarbeit und erklärt, was man unter einer Straftat versteht. Im Anschluss nimmt sich Herr Schell Zeit für die zahlreichen Fragen der Schüler rund um die Arbeit der Polizei.
Wie es den Tätern in der Gerichtsverhandlung ergeht, erleben die Jugendlichen bei einer Zeugenvernehmung bzw. der Urteilsverkündung am Amtsgericht Hannover. Vom späteren Besuch der Jugendarrestanstalt Neustadt wirkt besonders das Gefühl des Freiheitsentzugs nach. „Von der Präventionswoche bleibt mir vor allem im Gedächtnis, wie schnell Gewalt mehrere Leben zerstören kann. Die Geschichten mitzuerleben hat mich mehr beeindruckt, als hätten wir alles nur theoretisch im Unterricht durchgesprochen.“ Die Präventionswoche soll im nächsten Jahr wieder laufen..