Eine Vision für unser Leben

Als vor einigen Wochen unser Kirchplatz neu gestaltet wurde, da habe ich immer wieder mit Bewunderung gesehen und gespürt, wie sehr die Arbeiter bemüht waren, ihr Bestes zu geben. Doch zwischendurch sah es manchmal ziemlich wüst und trostlos aus auf der „Baustelle Kirche“... Als dann auch noch der alte Taufstein an der falschen Stelle aufgestellt und zudem zugemauert wurde, sodass kein Wasser abfließen konnte, und der Bauleiter statt von einem „Taufstein“ ständig von einem „Brunnen“ sprach, da sah ich dringend Handlungsbedarf. Ich versammelte die Anwesenden um den Taufstein herum und erklärte ihnen mit viel Pathos:
„Dies hier ist ein historischer Ort, sozusagen das Herzstück von Engelbostel. Hier hat einst Wilhelm Hirte mit einigen ehrwürdigen Herren den jahrhundertealten romanischen Taufstein feierlich aufgestellt und wieder eingeweiht. Und seit über zehn Jahren feiern wir hier zu Pfingsten auch wieder Taufen. Also, meine Herren, der Stein muss mitten auf den Platz, und er soll zusätzlich von schönen Natursteinen kreisrund umgeben werden. Sie schaffen das, auch wenn es nicht ganz einfach ist!“ Von da an hatten auch die Arbeiter die richtige „Vision“, und sie schufen mit Natursteinen ein wahres Kunstwerk.
Auf die Vision kommt es an, auf das große Leitbild vor unseren Augen, das in der Zukunft liegt und unserem Leben Sinn gibt. In dieser Welt liegt vieles im Argen, auch in der Kirche. Da wird uns vieles serviert wie auf einem silbernen Tablett, man braucht sich nur fröhlich zu bedienen. Und doch gibt es trotz allem eine wunderbare und großartige „Vision“ vom Reich Gottes mitten in dieser Welt, und auch jenseits von Raum und Zeit. Diese Vision gibt Christen die Kraft und die Ausdauer, die sie brauchen, und auch die Geduld, kleine Schritte zu tun, wenn es nicht so vorangeht, wie sie es gerne hätten.
Mit der Neugestaltung des Taufplatzes vor der Martinskirche wurden auch zehn neue Linden angepflanzt. Sie brauchen intensive Pflege und müssen regelmäßig gewässert werden, und auch die Pfähle, an die sie befestigt sind, werden vorerst bleiben müssen. Aber eines Tages werden die Linden zu stattlichen Bäumen heran gewachsen sein. Das steht uns schon heute klar vor Augen…

Lothar Podszus, Pastor