Eine Waffe aus grauer Vorzeit

Sven Gläser (von links), Justo Gallardo und Erich Wesemann begutachten die Waffe.Foto: E. A. Nebig

Kaltenweider schießen mit Modell aus Ära vor dem Zweiten Weltkrieg

Kaltenweide (ne). Seit etlichen Jahren wetteifern die Mitglieder des SV Kaltenweide beim Königs- und Kettenschießen am Himmelfahrtstag um die Herrenhäuser-Königskette. Bei diesem Wettkampf erhalten die drei Besten vor den Scheiben einen sogenannten Haustrunk der Herrenhäuser Brauerei. Der Sieger erhält zur Kette 3, der Zweitplatzierte2 und der Dritte eine Kiste "Herri". Geschossen wird Freihand über 50 Meter mit einem KK-Gewehr der Marke Walther Sportmodell V, Kaliber 22, Vorkriegsfertigung mit verstellbarer Mikrometervisierung. Gezielt wird über Kimme und Korn. Eine Zieleinrichtung die nicht mehr üblich und längst vom Sportwaffen-Markt verschwunden ist. Diese vereinseigene Sportwaffe hat eine interessante Geschichte. In den Nachkriegsjahren erhielt sie der SV Kaltenweide zum Geschenk. Vor dem Zweiten Weltkrieg soll diese Sportwaffe durch einen Schützen aus der heutigen Region bei den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin verwendet worden sein. Bei der Reichswehr sowie der späteren Wehrmacht wurde dieser Sportwaffentyp als der „Kleine Wehrsportkarabiner“ bezeichnet. Damals gab es nur eine einzige Olympia-Schießsportdisziplin im Gewehrschießen. Nämlich KK-50 Meter, 30 Schuss, liegend freihändig. Vor Jahrzehnten sollte die unmodern gewordene Luftdruckwaffe ausgemustert werden. Schützenbruder Fritz Schneider senior wollte das damals nicht hinnehmen und erwarb sie vom Vorstand des SV Kaltenweide. Als er starb, schenkten seine Erben das Prachtstück 1992 dem Verein, und der hatte prompt Schwierigkeiten mit der erneuten Registrierung und Zulassung als Sportwaffe durch die zuständige Aufsichtsbehörde. Doch Waffen- und Munitionsexperte Erich Wesemann gelang es, alle Hürden zu nehmen. Die Waffe wurde amtlich begutachtet und schließlich erneut für den Schießsport zugelassen. Seitdem wird sie nur für das vorgenannte Kettenschießen verwendet und zwar in Anlehnung an die einzige Gewehr-Schießsport-Disziplin der Olympischen Sommerspiele 1936, KK-50 Meter, 30 Schuss liegend freihändig.