Eine wichtige Anlaufstelle

Das Beratungszentrum befindet sich in der Ostpassage 9 zentral in Langenhagen und ist auch mit Öffentlichem Personennahverkehr sehr gut erreichbar.
 
Beratungsraum: Viele Betroffene nehmen mehrere persönliche Beratungsgespräche in Anspruch.

Ophelia – für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung

Langenhagen. Seit Februar gibt es mehr Rechte für gewaltbetroffene Frauen in Deutschland: Das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt, bekannt als Istanbul-Konvention, ist in Kraft getreten. Die Istanbul-Konvention stellt deutliche Anforderungen an die Gleichstellung und Nichtdiskriminierung, aber auch an die Prävention, Intervention und Unterstützung bei Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Konvention schreibt zum Beispiel in Artikel 22 fest, dass es für alle Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt spezialisierte Hilfen geben muss, die gut erreichbar und mit angemessenen Ressourcen ausgestattet sind. Dazu gehören spezialisierte Fachberatungsstellen für gewaltbetroffene Frauen und Mädchen. In Langenhagen gibt es eine solche Fachberatungsstelle: Das Ophelia- Beratungszentrum für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung. Im vergangenen Jahr haben dort 495 von Gewalt betroffene Mädchen und Frauen eine persönliche oder telefonische Beratung in Anspruch genommen.
Langenhagen. Das Ophelia-Beratungszentrum ist ein gemeinnütziger Verein mit fünf in Teilzeit angestellten Mitarbeiterinnen, darunter drei Beraterinnen. In den bisherigen Büroräumen gibt es nur einen einzigen Beratungsraum. Es können also nicht mehrere Beratungen parallel laufen, obwohl der Bedarf da seiund die Fallzahlen gewaltbetroffener Frauen und Mädchen seit Jahren steigen. Daher sucht der Verein derzeit barrierefreie neue Räumlichkeiten in zentraler Lage Langenhagens. Ein Umzug bleibt notwendig, um den Beratungsbedarf zu decken – trotz des nun geschrumpften Budgets. Einem Antrag auf eine dauerhafte Erhöhung des Zuschusses der Stadt Langenhagen um 8.000 Euro auf 30.000 Euro jährlich hatte die Mehrheit des Rates im Januar dieses Jahres nicht zugestimmt. Diese Erhöhung wurde bereits 2016 für das Jahr 2017 beantragt und auch bewilligt. Doch in diesem Jahr geht es zurück auf 22.000 Euro – einer Summe, die seit 2009 gleichgeblieben ist (bis 2001 waren es 40.000 Mark). „Wir bedauern die aktuelle Entscheidung. Wir verzeichnen fortlaufend höhere Fallzahlen, auch in Langenhagen. Die Aufgabenbereiche, Arbeitsanforderungen und Personalkosten sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Wir sind die einzige Fachberatungsstelle für Frauen und Mädchen mit Gewalterfahrung und Erstinterventionsstelle gegen häusliche Gewalt (BISS) im Norden der Region Hannover, wir haben ein großes Einzugsgebiet. Immer mehr Betroffene suchen bei uns Unterstützung. Nur brauchen wir auch die Kapazitäten und Ressourcen, um dem Beratungsbedarf gerecht zu werden“, so Bröker vom Ophelia-Beratungszentrum. „Eine angemessene, bedarfsgerechte und verlässliche Finanzierung ist auch laut Istanbul-Konvention wichtig, damit ein effektiver Zugang zu Unterstützungsdiensten mit vertraulicher Beratung garantiert ist.“ Bröker fügt hinzu: „Neben unserer Kernaufgabe der Krisenintervention und Beratung spielen auch die Präventionsarbeit an Schulen, Investitionen in Vernetzung und Kooperationen, Statistik- und Verwaltungsaufgaben, Fortbildungsangebote für Institutionen sowie Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle.“ Das Beratungszentrum wird neben Förderungen durch die Stadt Langenhagen auch durch die Region Hannover und das Land Niedersachsen gefördert. Im BISS-Bereich (proaktive Arbeit nach Polizeimeldungen zu häuslicher Gewalt) gibt es zudem Zuschüsse aus Burgwedel, Isernhagen und der Wedemark. Von der Stadt Langenhagen wird der BISS-Bereich nicht bezuschusst.
Das Ophelia-Beratungszentrum in der Ostpassage 9 in Langenhagen berät Frauen und Mädchen ab 13 Jahren, die Gewalterfahrungen gemacht haben – egal, ob körperliche, seelische, sexualisierte, soziale, ökonomische oder digitale Gewalt. Die Beratung ist kostenfrei, vertraulich und auf Wunsch anonym. Betroffene erreichen das Ophelia- Beratungszentrum unter der Telefonnummer (0511) 724 05 05 und können sich online unter www.ophelia-langenhagen.de informieren.