"Einem Leben in Armut fehlt die Farbe"

Schauen sich die Bilder interessiert an (von links): Klaus Flügel vom Sozialverband Langenhagen, Christine Ebers vom Seniorenbüro und Jan Behnen, Leiter der City Park Residenz. (Foto: O. Krebs)
 
Standen für Interviews zur Verfügung: Gudrun Mennecke (links) und Christa Röder.

Fotoausstellung „Arm, Ärmer, Alt“ noch bis Freitag, 13. November, im Rathaus

Langenhagen (ok). Die stellvertretende Vorsitzende des AWO-Ortsvereins Engelbostel-Schulenburg und Vorstandsmitglied der AWO Region Hannover, Gudrun Mennecke, hat heute die Fotoausstellung „Arm, Ärmer, Alt“ im Rathaus Langenhagen vor zahlreichen Gästen eröffnet. „Die Ausstellung macht auf das Thema Altersarmut aufmerksam und zeigt eindrucksvoll die Lebenswelt betroffener Menschen“, betonte die Ortsbürgermeisterin der Gemeinde Engelbostel und Ratsvorsitzende der Stadt Langenhagen auf der Veranstaltung. In einem kleinen Dorf werde Altersarmut oft leichter aufgefangen. Den Jüngeren gab sie mit auf den Weg: "Sorgt dafür, dass ihr immer auf eigenen Füßen steht."
Auf den Fotos der Fotografin Cynthia Rühmekorf sind ältere Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensläufen zu sehen, wie zum Beispiel eine ehemalige Kioskbesitzerin, ein Künstler mit zwei Staatsexamen oder ein früher selbstständig tätiger Industriekaufmann. Im persönlichen Gespräch habe sie viele Erfahrungen sammeln können. Gemeinsam ist allen, dass die Rente nicht reicht und sie auf Grundsicherung angewiesen sind. Und: Die Bilder sind bewusst in schwarz-weiß gehalten, den Farbe lenkt nach Ansicht der Fotografin nur ab: "Einem Leben in Armut fehlt die Farbe".
„Viele Ältere leben zurückgezogen“, sagte Christa Röder, Vorsitzende des Seniorenbeirats der Stadt Langenhagen in ihren Grußworten. Das Thema Altersarmut sei nicht nur ein finanzielles Problem, sondern es gehe auch um die Teilhabe am öffentlichen Leben. Viele Betroffene müssten ihre Renten aufbessern, hätten dann keine Zeit mehr, ein Ehrenamt auszufüllen. „Gerade weil Altersarmut häufig im Verborgenen existiert, ist diese Fotoausstellung von erheblicher Bedeutung, um unserer Gesellschaft die Augen zu öffnen“, bekräftigte Mirko Heuer, Bürgermeister von Langenhagen, in seiner Rede. Etwa 16,5 Millionen Menschen lebten in Deutschland unterhalb der Armutsgrenze, rund 300.000 seien allein im vergangenen Jahr dazugekommen. Ein großes Problem sei auch bezahlbarer Wohnraum. Und: Betroffene outeten sich oft nicht – aus Scham oder auch Stolz, nicht zuzugeben zu wollen, in Armut zu leben. Mirko Heuer: "Die Statistiken drücken nicht aus, was die Realität widerspiegelt", sagt Bürgermeister Mirko Heuer. Dazu zähle unter anderem auch Verwahrlosung und Vermüllung. Der Mensch stehe grundsätzlich im Vordergrund, Altersarmut dürfe es in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland eigentlich nicht geben. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, an der alle arbeiten müssten.
Die Fotoausstellung ist noch bis Freitag, 13. November, im Foyer des Rathauses zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 13 Uhr.
Schulklassen (siebte bis neunte Klasse) und interessierte Gruppen haben die Möglichkeit, Führungen in Anspruch zu nehmen. Anmeldung hierfür bei Christiane Behrendt telefonisch unter (0511) 81 14-277 oder per E-Mail christiane.behrendt@awo-hannover.de. Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen.