Einwanderung als Chance beschworen

Nach dem Gespräch mit dem ECHO kickte Friedhelm Fischer (von links) mit Boris Pistorius, Amel und Alfredo (beide C-Jugend TSV Godshorn), Willi Minne und Marco Brunotte. (Foto: G. Gosewisch)

Innenminister Boris Pistorius im Gespräch

Godshorn (gg). Der Niedersächsische Innenminister Boris Pistorius war nach Vermittlung durch den Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Langenhagen, zu Gast in Godshorn. In seinem Vortrag im Dorfgemeinschaftshaus warb der Minister um Unterstützung für die rot-grüne Landespolitik. Mit dem Regierungswechsel im vergangenen Jahr wurden eine Änderung der Abschiebepraxis und eine Reform der Härtefallkommission realisiert. „Wir sind für einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen. Eine Anerkennungs- und Willkommenskultur gegenüber Zuwanderern muss gesellschaftlich gelebt werden. Das kann nicht nur per Gesetz verordnet werden, sondern muss im Wesentlichen in den Kommunen unter den Menschen in der Nachbarschaft passieren“, erklärte er den Zuhörern, darunter Mitarbeiter der Stadtverwaltung, SPD-Mitglieder und Mitglieder des Integrationsbeirates. Mit dabei waren auch Pastor Falk Wook, seine Frau Insa Wook und der Leiter des Kriminalermittlungsdienstes im Polizeikommissariat Langenhagen Klaus Waschkewitz. Nur sehr wenige Teilnehmer waren als interessierte Bürger oder Anlieger anwesend, trotzdem die Unterbringung von Asylbewerbern Godshorn besonders betrifft, da in den nächsten Tagen eine Unterkunft für rund 30 Personen in der Ahornstraße bezogen wird. Während vor einem Jahr in einer Ortsratssitzung noch Vorbehalte gegen die Sammel-Unterkunft formuliert wurden (gefordert wurden stattdessen kleine Wohneinheiten), gab es nun in der öffentlichen Diskussionsrunde keine kritischen Äußerungen. Bürgermeister Friedhelm Fischer lobte die Sozialarbeit der Stadtverwaltung, eine Aufstockung des Personals sei in Vorbereitung. Ortsbürgermeister Willi Minne lud Bürgerinnen und Bürger ein, ihn bei Besuchen in der Unterkunft Ahornstraße zu begleiten, um die Flüchtlinge persönlich kennenzulernen und Unterstützung zu organisieren.
„Wir brauchen Einwanderer als Arbeitskräfte, in der Pflege und in vielen weiteren Bereichen. Hier haben wir die Wirtschaft auf unserer Seite“, sagte Boris Pistorius im Gespräch mit dem ECHO. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung sei vereinbart, dass die Erstbearbeitung von Asylanträgen zukünftig maximal drei Monate dauern darf, üblich sind derzeit mehr als sechs Monate. „Ich warne vor einer Panikmache mit den Asylbewerber-Zahlen um“, erklärte er. Prognostiziert sind aktuell rund 150.000 pro Jahr bundesweit, in den 90er Jahren lag die Zahl bei rund 450.000. Er ergänzte: "Trotzdem kann es aber natürlich aufgrund des Rückbaus von Unterkünften in den vergangenen Jahren hier in einzelnen Kommunen zu Engpässen kommen. Das ist auch eine Herausforderung." Die Akzeptanz der Asylbewerber und das Mitgefühl für die Not in der Welt seien in der Gesellschaft gut. Gleichwohl müsse man Fremdenfeindlichkeit beobachten, Potenzial ergebe sich auch aus dem freien Zuzug innerhalb der EU. Aber, „einen Ansturm der Osteuropäer auf Deutschland gibt es nicht und die Kriminalitätsrate ist nicht extrem gestiegen“, stellte der Minister klar.