Engagiert und heimatverbunden

Zum Tode von Ortsheimatpfleger und ECHO-Mitarbeiter Ernst-August Nebig

Langenhagen trauert um einen außergewöhnlichen Menschen, der in den vergangenen Jahrzehnten aus dem öffentlichen Leben der Stadt nicht wegzudenken war. In der Nacht von Sonntag auf Montag verstarb Ernst-August Nebig im Alter von 76 Jahren. Am 18. November 1935 in Lingen an der Ems geboren, fand Nebig 1966 als Soldat seinen Weg in die Flughafenstadt, der er fortan intensiv verbunden bleiben sollte. Nach einer Handwerkslehre und zwölf Jahren Dienst bei der Bundeswehr absolvierte er eine Verwaltungsausbildung, die schließlich zu einer Anstellung bei der Stadt Langenhagen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit führte. Nebig war später zwölf Jahre lang Pressesprecher der Stadt. Anschließend wechselte er in gleicher Funktion ins Niedersächsische Landesverwaltungsamt und nach dessen Auflösung in das Landesamt fur Denkmalpflege. Sein Interesse am Journalismus brachte ihn mit ECHO-Gründer Walter Raap zusammen, der ihm 1970 eine Tätigkeit als freier Redaktionsmitarbeiter anbot. „Zeitung machen - das war von Jugend an mein Wunsch“, erklärte Nebig selbst einmal seine Beweggründe, sich neben der Verwaltungstätigkeit dem Lokaljournalismus zu widmen. Bereits 1945 durfte er seinem Onkel Bernhard Jung gelegentlich Besuch im Anzeigerhochhaus abstatten, in dem der damalige Verlagsdirektor von Dr. August Madsack am Wiederaufbau des Verlagshauses im weitgehend zerstörten Hannover mitwirkte. Durch seine Mitarbeit beim Langenhagener ECHO konnte er sich schließlich im Alter von 35 Jahren einen Jugendtraum erfüllen, der ihm bei der Berufswahl im Nachkriegsdeutschland zunächst versagt geblieben war. Auf dem von Walter Raap geebneten Weg sollte Ernst-August Nebigs journalistische Karriere später bis zur Mitgliedschaft in der Landespressekonferenz und im renommierten Presse-Club Hannover führen. Unter dem Kurzel „ne“ berichtete Nebig mehr als 40 Jahre lang im ECHO über alle wichtigen Belange aus Politik, Wirtschafts- und Vereinsleben. Besonders Letztgenanntes lag ihm nicht nur als Berichterstatter sehr am Herzen. Seine aktive Mitarbeit – vielfach auch in Vorstandsämtern – hat er so vielen Vereinen und Verbänden gewidmet, dass es immer wieder erstaunlich war, mit welch beispielhafter Zuverlässigkeit und Einsatzfreude Nebig all seine Interessen meisterte. Ob Reservistenkameradschaft, Schützenwesen, Schaffergilde, Bürger- und Heimatverein, Pfadfinder oder Heimatbund – viele Vereine sind Ernst-August Nebigs selbstlosem Engagement über viele Jahre und Jahrzehnte hinweg zu Dank verpflichtet. Sein heimatkundliches Interesse und beeindruckendes Wissen über die Geschichte Langenhagens und der Region brachte er nicht nur in seine Vereinsaktivitaten und seine journalistische Tätigkeit für das ECHO ein. Nebig verfasste darüber hinaus heimatkundliche Bücher, die sich beispielsweise der Geschichte Langenhagens „Vom Dorf zur Stadt“, Der Herzogin Elisabeth von Calenberg oder auch den Sagen und Überlieferungen der Region Hannover widmeten. Die Ernennung zum Ortsheimatpfleger der Stadt Langenhagen war eine folgerichtige Entwicklung. Wie sehr ihn Langenhagen zu schätzen wusste, dokumentiert Nebigs Eintrag in das Goldene Buch der Stadt - eine Ehre, die Bürgern nur fur besonderes Engagement gewahrt wird. Fur sein herausragendes ehrenamtliches Engagement und sein heimatkundliches Schaffen verlieh der Bundespräsident Ernst-August Nebig 2007 schließlich das Bundesverdienstkreuz. Am meisten lag Nebig, der von vielen Bekannten und Freunden auch ebenso schlicht wie liebevoll „E.A.“ gerufen wurde, aber nach eigener Aussage eine ganz andere Auszeichnung am Herzen. Die Unternehmensleitung des ECHO hatte ihn anlässlich seines 70. Geburtstages zum Redaktionsmitarbeiter auf Lebenszeit ernannt, eine Würdigung seiner Verdienste um das Langenhagener Traditionsblatt, die ihn bis zu seinem schweren Herzinfarkt im vergangenen Jahr anspornte, trotz vorgerückten Alters fast täglich mit Block und Kamera für „sein“ ECHO unterwegs zu sein. In Folge seiner schweren Erkrankung war ihm dies zuletzt nicht mehr möglich – eine Tatsache, die sowohl ihn wie auch die Redaktion des Langenhagener ECHO mit großem Bedauern erfüllte. All sein Lebensmut und Optimismus reichten am Ende jedoch nicht aus, um noch einmal gesund zu werden. Langenhagen ist mit seinem Tod um eine engagierte Persönlichkeit ärmer geworden. Im Herzen vieler Menschen aber wird Ernst-Augst Nebig als liebenswerter Mensch und Vorbild für bürgerliches Engagement, Geschichtsbewusstsein und gelebten Lokaljournalismus unvergessen bleiben.
Thorsten Schirmer