Entlastung für Angehörige

Koordiniert das Projekt Dia-Dem: Birgit Kröger.

Dia-Dem kümmert sich um demenzkranke Menschen

Langenhagen. Mit dem königlichen Kopfschmuck fast gleichen Namens hat das Projekt nichts zu tun, einen hohen Wert aber hat es sehr wohl: Vor mittlerweile acht Jahren wurde in Langenhagen das Projekt „Dia-Dem“ gegründet. Nach Auskunft von Hellmuth Scholz, Pastor im Ruhestand und Mitbegründer, baute Dia-Dem im Jahr 2004 auf der Arbeit der Ökumenischen Besuchsdienste auf, es war damit eines der frühen ökumenischen Projekte in Langenhagen. „Dia-Dem“ setzt sich zusammen aus den Wörtern „Diakonie“ und „Demenz“; Ziel des Projektes ist es, Familien mit an Demenz erkrankten Angehörigen zu unterstützen und zu entlasten. Träger ist heute die gemeinnützige Gesellschaft Birkenhof Ambulante Pflegedienste in Kooperation mit dem Verein „Gemeinsam leben in Langenhagen“, in dem sich die Emmaus-Kirchengemeinde engagiert.
Im Jahr 2010 stellte die Region Hannover in einer Erhebung fest, dass etwa 1.000 von einer Demenzerkrankung betroffene Menschen in Langenhagen leben; zu etwa zwei Dritteln werden die Erkrankten zuhause von Angehörigen versorgt. Das Krankheitsbild zeigt sich im Verlust des Kurzzeit- und später auch des Langzeitgedächtnisses, in der Einschränkung der Wahrnehmung und im Verlust der Fähigkeit, längere Sätze und Zusammenhänge zu verstehen. Betroffene müssen häufig rund um die Uhr betreut werden, was für die Angehörigen eine hohe Belastung mit sich bringt. „Demenzpatienten leben oft in ihrer eigenen Welt und kommen mit den Anforderungen ihrer Umwelt nicht mehr zurecht“, sagt Birgit Kröger, Krankenschwester und Sozialberaterin in der Altenhilfe mit Schwerpunkt Demenz. Seit 2009 ist sie hauptamtliche Mitarbeiterin im Projekt Dia-Dem, organisiert und leitet Fortbildungen und koordiniert den Einsatz der freiwilligen Helferinnen und Helfer.
Zwölf Familien mit erkrankten Angehörigen werden zurzeit im Rahmen des Projektes betreut; zehn Freiwillige, darunter ein Mann, gehören zum Team. Sie besuchen die Patienten in ihren Familien, gehen mit ihnen spazieren, lesen vor oder hören zu, spielen oder basteln mit ihnen oder sind einfach nur da. Für die Familien bedeutet diese Unterstützung oft viel, schafft sie ihnen doch einen, wenn auch begrenzten, Freiraum. „Unsere Helferinnen erleben oft, dass von den Familien viel zurück gegeben wird“, erzählt Birgit Kröger; nicht selten entwickeln sich so enge freundschaftliche Beziehungen. „Dia-Dem ist das, was früher die Nachbarschaftshilfe war“, sagt Hellmuth Scholz – heute muss die Unterstützung vor Ort eben oft institutionalisiert werden.
Birgit Kröger kennt alle freiwilligen Helferinnen und Helfer des Projektes Dia-Dem gut, sie weiß auch, wie viel Zeit sie einbringen möchten. „Das Verhältnis zwischen Patient oder Patientin, Familie und Helferin muss stimmig sein“, sagt sie und überlegt genau, wer zusammen passen könnte. Der Einsatz der Freiwilligen ist vom Umfang und auch von den Aufgaben her immer individuell abgestimmt – überfordert wird hier niemand. Die Helferinnen und Helfer werden auf ihre Aufgabe in Schulungen oder mit Praktika, etwa im Anna- Schaumann-Stift, vorbereitet, so dass sie ihre Tätigkeit gut gewappnet beginnen können. Sie erhalten pro Stunde eine Aufwandsentschädigung von vier Euro, die von den Pflegekassen übernommen werden; weitere vier Euro zahlen die Kassen in die direkte Finanzierung des Projektes. Für die betroffenen Familien gibt es einmal im Monat eine Angehörigengruppe, in der sie zu Information und Austausch zusammen kommen können.
Zur Zeit gibt es bei Dia-Dem noch freie Kapazitäten: Angehörige von an Demenz erkrankten Menschen in Langenhagen können sich gerne mit Birgit Kröger in Verbindung setzen; sie ist zu erreichen unter der Telefonnummer (0511) 5 90 42 52, per E-Mail unter birgit.kroeger@bethel.de oder nach Absprache im Dia-Dem-Büro am Söseweg 5. Gesucht werden auch weiterhin Frauen oder Männer, egal welchen Alters, die im Projekt tätig werden wollen. Jederzeit möglich ist eine Kurzschulung für Freiwillige; sobald sich eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen zusammengefunden hat, kann eine umfangreichere Schulung organisiert werden.