„Entscheidung mit den Füßen“

IGS ist die mit Abstand beliebteste Schulform

Langenhagen (gg). Ein Überdenken der Schullandschaft in Langenhagen hat die CDU-Fraktion im Rat mit einer entsprechenden Drucksache auf den Weg gebracht. Darin sind zwei Ziele formuliert: die Umwandlung des Gymnasiums zur offenen Ganztagsschule und die Erweiterung der IGS. Zur angestrebten Diskussion im Bildungsausschuss ist es jedoch nicht gekommen – alle Fraktionen und Gruppen sehen noch internen Abstimmungsbedarf, der Antrag wurde in die Fraktionen zurückverwiesen. Beschlossen ist ein neuer Termin: Nur für diese Drucksache wird es einen Sondersitzungstermin des Bildungsausschusses am 10. September geben. Dann werden Vertreter aller Langenhagener Schulen dabei sein und auch Vertreter des Stadtelternrates. Geplant ist, nicht nur für das Gymnasium und die IGS Veränderungen zu diskutieren, sondern die Situation aller Schulen abzuwägen.
Stellungnahmen zur Drucksache gibt es bereits vom Gymnasium und von der IGS. Deren Schulleiter Wolfgang Kuschel lieferte schon vor der Sitzung weitere Informationen. Demnach möchten zwei Drittel aller Schüler in Langenhagen, die nach der vierten Klasse der Grundschule auf eine weiterführende Schule wechseln müssen, auf der IGS einen Platz bekommen. Konkret hat es im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg der Anmeldungen gegeben: um acht Prozent auf nun über 65 Prozent. Das setzte den positiven Trend der letzten zehn Jahre bei stabilen Grundschülerzahlen fort. Weit zurück reicht die Statistik, die in der IGS geführt wird. In jedem Jahrzehnt der letzten dreißig Jahre sind die Anmeldezahlen im Schnitt um zehn Prozent gestiegen.
Der Anstieg um acht Prozent in diesem Jahr ist in der Dimension besonders und nach Auskunft von Kuschel sind die Gründe dafür nicht klar nachzuvollziehen. Hinweise werden aus der Auswertung der entsprechenden Fragebögen nach den Sommerferien erwartet. Alle Eltern, die ihre Kinder für die IGS angemeldet haben, wurden gefragt, warum sie sich für diese Schulform entschieden haben. Die häufigste Antwort war in den letzten Jahren die Situation mit Geschwisterkindern, die bereits auf der IGS sind und auch, dass die Schulform sowie die speziellen Angebote, die die IGS darstellt, als besonders positiv eingeschätzt wird.
42, der in diesem Jahr an der IGS angemeldeten Schüler, wurden an das Gymnasium verwiesen, ein Ergebnis der so genannten Leistungstöpfe, die aus den Noten, die die Gesamtheit der Schüler in den Fächern Deutsch, Mathematik und Sachkunde mitbringen, gebildet wird. „Erklärtes Ziel der IGS in Langenhagen ist es, einen repräsentativen Schnitt aller Schüler aufzunehmen und zu unterrichten, das ist der Hintergrund. So werden aus den Anmeldungen an der IGS auch Schüler an die Realschule und an die Hauptschule sozusagen weitergereicht“, erklärt Kuschel. Ob die Statistik der Anmeldezahlen eine deutliche Sprache ist, bezweifelt er. So könne niemand sagen, ob der Anstieg nur ein Phänomen diesen Jahres ist, so seine Einschätzung und weiter: „Mit großen Veränderungen, wie im Antrag der CDU formuliert, bürden wir uns viele Probleme auf und vielleicht sehen die Anmeldezahlen im nächsten Jahr ganz anders aus. Ich finde, man muss die Entscheidung mit den Füßen, wie sie hier bei der freien Schulwahl passiert, zulassen.“ Immens wären die Anstrengungen, die für eine Erweiterung der IGS von der aktuellen Sechs-Zügigkeit auf eine Acht-Zügigkeit nötig wären. Da gibt es räumliche Grenzen und Differenzierungsgrenzen. Dazu Kuschel: „Pädagogisch sinnvoller ist die Sechs-Zügigkeit. Den Schülern muss die Chance bewahrt werden, mit den Lehrern im persönlichen Bezug zu bleiben.“
Wünschenswert und lösungsorientiert in Bezug auf die Raumsituation ist für ihn eine engere Kooperation mit dem Gymnasium. Zudem kann er sich vorstellen, für Schüler, die nicht in Langenhagen wohnen und trotzdem an der IGS einen Platz bekommen möchten, vorübergehend Kontingentsgrenzen einzuführen.
Irene Kretschmer, Schulleiterin des Gymnasiums, nahm im Bildungsausschuss öffentlich zur Drucksache Stellung. An der Umwandlung zur offenen Ganztagsschule werde bereits gearbeitet. Im Fokus ist die Raumsituation: die Rückführung der Außenstelle Hindenburgstraße und die Schaffung eines Freizeitbereichs. „Eine Erweiterung der Zügigkeit der IGS würde zu einem Schülerrückgang am Gymnasium führen“, erklärte Kretschmer. Sie hält das für bedenklich, da ein Rückgang der Schülerzahlen zwingend eine Verkleinerung der Angebotsbreite und damit der Qualität am Gymnasium mit sich bringen würde.