Entsorgen oder umsetzen?
Obelisk muss dem Neubau am Schulzentrum weichen
Langenhagen (he). Für alle, die im Schulzentrum oder im Rathaus ein und aus gehen, ist er ein vertrauter Anblick: der meterhohe Obelisk aus Drahtgeflecht, gefüllt mit unzähligen Flaschen. Seit rund zehn Jahren steht er auf der Wiese vor der Hausmeisterwohnung des Schulzentrums an der Konrad-Adenauer-Straße. Schöpfer des Obelisken ist der Böblinger Künstler Michael Deiml; an der Entstehung des Kunstwerkes beteiligt waren neben ihm aber auch viele Menschen aus Langenhagen: Vor allem Schülerinnen und Schüler des Schulzentrums steuerten Glasflaschen bei, in denen sie kleine Gegenstände, Wünsche für die Zukunft oder Botschaften eingeschlossen hatten. Jetzt steht der Fortbestand des Kunstwerkes zur Disposition: Wegen der im Frühjahr beginnenden Erweiterung des Schulzentrums beabsichtige die Stadt, den Obelisken dauerhaft zu entfernen, heißt es in einem Schreiben des Kulturamtes, das Mitte Dezember an Michael Deiml verschickt wurde. Und: „Es ist nicht beabsichtigt, den Obelisken an anderer Stelle wieder aufzustellen.“
Die Stadt räumt Deiml jetzt die Möglichkeit ein, sein Kunstwerk zurückzukaufen; um nicht auf möglichen Kosten sitzen zu bleiben, wird dabei eine „Schenkung zuzüglich Freistellung von Transportkosten“ ausgeschlossen. Bis zum kommenden Montag soll sich der Künstler bei der Verwaltung melden, anderfalls wird davon ausgegangen, dass er an einem Rückkauf nicht interessiert ist.
Mirko Heuer, Fraktionsvorsitzender der CDU im Rat, will die „Entsorgung“ des Obelisken allerdings nicht einfach hinnehmen: In einer Anfrage an die Verwaltung wirbt er ausdrücklich um den Erhalt der Skulptur und erinnert daran, dass auch das „Gebundene Steinfeld“ der Künstlerin Ulla Nentwig vom Marktplatz auf den Vorplatz des Forums verlegt wurde. An möglichen Kosten dürfe ein Umsetzen des Obelisken nicht scheitern, ist Heuer überzeugt, da im Haushalt ein Etatposten für Kunstwerke vorhanden sei. Der Christdemokrat wirft der Verwaltung in diesem Zusammenhang fehlendes Fingerspitzengefühl vor: Er hätte sich gewünscht, dass im Vorfeld einer Entscheidung eine Art Stimmungsbild unter den Fraktionen abgefragt worden wäre.
Leidenschaftslos sieht dagegen Wolfgang Kuschel, Schulleiter der IGS, den ganzen Vorgang: „Die Skulptur war von Anfang an als temporäres Kunstwerk geplant“, stellt er fest. Er habe nichts dagegen einzuwenden, den Obelisken an anderer Stelle neu zu errichten, möglicherweise auch im Innenhof vor dem Haupteingang der IGS, der Schuletat aber gebe die Mittel für eine Verlegung nicht her. „Ich bin auch nicht der Meinung, dass jedes Kunstwerk für die Ewigkeit bestimmt sein muss“, so Kuschel weiter; wenn sich aber jemand finde, der sich um den Erhalt des Kunstwerkes kümmere, trage er diese Entscheidung gerne mit.
Ohnehin ist in dieser Angelegenheit wohl noch nichts endgültig beschlossen: Nach Auskunft von Bernd Niebuhr, städtischer Justiziar, wollen sich Bürgermeister Fischer, Dezernentin Monika Gotzes-Karrasch und Mitarbeiter des Kulturamtes am Montag zusammensetzen um über das weitere Vorgehen zu beraten. Künstler Michael Deiml hatte sich bis gestern noch nicht bei der Stadt gemeldet.




