Er war nie ein Jasager

Mit 90 noch immer rüstig und fröhlich – der ehemalige Stadtrat Hermann Euscher. Hier bei seiner Dankesrede an die Geburtstagsgesellschaft. Foto: E. A. Nebig

Godshorner Urgestein Hermann Euscher wurde 90

Godshorn (ne). Im Kreise vieler Gäste, darunter etliche ehemalige Mitarbeiterinnen, feierte am Nikolaustag Godshorns ehemaliger Gemeindedirektor und der frühere Stadtrat Hermann Euscher seinen 90. Geburtstag. Erst vor wenigen Wochen beging er mit seiner Frau Lisa das seltene Fest der eisernen Hochzeit. Willi Minne, in Doppelfunktion als Ortsbürger- und 1. stellvertretender Bürgermeister der Stadt Langenhagen, würdigte das Wirken des Jubilars in seinen Ämtern als als Gemeindedirektor und als Verwaltungs-Stadtrat nach der Gebiets- und Gemeindereform ab März 1974. Hermann Euscher habe sich nicht nur um Godshorn, sondern auch um die Stadt verdient gemacht, sagte Minne. Hermann Euscher sei von 1961 bis zur Gebiets- und Gemeindereform 1974 Gemeindedirektor der heutigen Ortschaft gewesen und habe als solcher sehr viel bewegt. Dazu gehöre unter anderem die Gründung der lebendigen Partnerschaft mit der französischen Stadt Le Trait, die Hermann Euscher stets eine Herzensangelegenheit gewesen sei. Nach der Gebietsreform 1974 habe er als Stadtrat bis zu seiner Pensionierung häufig konstruktive Kritik gegenüber Vorgesetzten sowie übergeordneten Gremien geübt. Nie habe er zu den Jasagern gehört, sei in seinen Amtsfunktionen stets sachlich und neutral geblieben, ohne dabei seine parteipolitische Überzeugung zu verletzen. Minne dankte Hermann Euscher für sein unermüdliches Wirken für die Gemeinde und die Stadt und bezeichnete ihn als ein Urgestein der Sozialdemokratie. Dieser Partei habe Euscher in Godshorn ein Gesicht gegeben, wobei er stets ein Mann des Ausgleichs zwischen den Fraktionen geblieben sei. Das allein sei schon eine lobenswerte Leistung. Hermann Euscher stammt aus Herford/Westfalen. Gern wäre er Schauspieler und Sänger geworden, das stellte er in Godshorn häufiger bei Festen unter Beweis. Im Berufsleben kam es aber immer ganz anders als geplant. Der Jubilar erlernte den Beruf des Kaufmannes. 1945 geriet er als junger Pilot der Luftwaffe in amerikanische Gefangenschaft und wurde den Engländern übergeben. Die sperrten ihn in Hannover-Bothfeld in einer Kaserne, die in ein Gefangenenlager umfunktioniert worden war, ein. Wochenlang war er hier mit dem späteren TV Star Hans-Joachim Kulenkampff in einer überfüllten Stube untergebracht. Nach der Entlassung hatte er Glück, die Stadt Herford stellte ihn ein. In der Stadtverwaltung erwarb er das Rüstzeug für den höheren Dienst, der ihn als Gemeindedirektor nach Godshorn führte. Kurz nach Kriegsende heiratete er seine Frau Lisa. Seine Karriere in der Kommunalverwaltung habe er ihr mit zu verdanken, sagte Euscher nach der Laudatio, stets habe sie ihm den Rücken frei gehalten. Zur Zeit schreibt Hermann Euscher seine Lebenserinnerungen auf. Ein Weg, den er sich ohne seine Ehefrau nicht vorstellen kann. Er führte ihn als Militärpilot in viele Länder und schließlich als Verwaltungschef nach Godshorn. Hier setzte er einen Wunsch um, nämlich die Umwandlung eines unfreiwilligen Frankreichaufenthaltes in eine Partnerschaft mit einer französischen Stadt, da ihm Versöhnung mit ehemaligen Gegnern am Herzen lag.