„Erfahren, erleben und ausprobieren“

Kart, Kochen, Recycling und PS-Profis – jeder kann sich an der Pestalozzischule nach seinen Möglichkeiten verwirklichen (von links): Konrektorin Ulrike Borkowski, Birivan (16), Ilke (15), Rektorin Andrea Engelhardt, Dennis (15) und Wing-Xu (14).Foto: O. Krebs
 
Das Gütesiegel gab es aus der Hand des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Pestalozzischule mit Gütesiegel ausgezeichnet

Langenhagen (ok). NFTE, BOP, Schülerfirma und Do it – Begriffe, hinter denen sich die konsequenter Verzahnung der Schule mit der Berufswelt und die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler für einen geeigneten Ausbildungsplatz verbergen. Für dieses Engagement gab's jetzt für 30 Schulen im Land von Ministerpräsident Stephan Weil das Gütesiegel "Berufs- und ausbildungsfreundliche Schule". Diese Auszeichnung ging nur an drei Förderschulen, und zwei davon kommen aus Langenhagen: die Pestalozzi- und die Gutzmannschule. „In den Klassen acht, neun und zehn bereiten wir bei uns intensiv auf das Berufsleben vor“, sagt Andrea Engelhardt, Rektorin an der Pestalozzischule. Da ist zunächst einmal BOP – das Berufsorientierungsprojekt beinhaltet eine „Kompetenzanalyse mit anschließenden Werkstatttagen“. Andrea Engelhardt: „Dabei wird bei uns die ganze Bandbreite der Berufe abgedeckt – von pflegerisch und kosmetisch bis hin zu Metall und Bau.“ Stichwort NFTE – die Abkürzung für das etwas sperrige englisch-französische Kunstwort „Network for Teaching Entrepreneurship“. Andrea Engelhardt erläutert, was dahinter steckt: „Die Schülerinnen und Schüler entwickeln innerhalb von eineinhalb Wochen eine Unternehmensidee, analysieren den Markt.“ Und gearbeitet wird nicht etwa für den Papierkorb – die Einfälle werden hochkarätigen Wirtschaftsfachleuten präsentiert. Autoinnenreinigung, Trommeln im Altenheim oder Coach für Tischtennis – viele der Schülerinnen und Schüler strotzen geradezu vor Kreativität.
Und dann gibt es noch die Schülerfirma, in der die Fahrraddoktoren zum Beispiel Drahtesel wieder fitmachen, sich um demente Mitmenschen gekümmert wird oder im Schulparadies tolle selbsthergestellte Geschenkartikel wie Mappen oder CD-Hüllen verkauft werden. Dort geht es annähernd zuwie im rauen Berufsleben. Eine Kündigung ziehe in diesem Fall Sozialtraining und ein Gespräch mit dem Beratungslehrer nach sich. „Wir stehen mit unserem Verkaufswagen auf Messen und sind sogar im Arbeitskreis nachhaltiger Schülerfirmen“, sagt Konrektorin Ursula Borkowski. Auch eigene Messen werden organisiert, sogar das Gymnasium habe schon wegen einer Teilnahme nachgefragt. Bleibt als letzte Säule außer der obligatorischen Praktika noch das Do-it-Projekt der Bürgerstiftung. Einmal in der Woche beschäftigen sich die Schülerinnen und Schüler mit Hauswirtschaft oder Kartbahn. Projekte, bei denen wertvolle Kontakte entstehen und bei denen an parktischen Beispielen Unterrichtsstoff wie Deutsch und Mathe vermittelt wird. Andrea Engelhardt: „Erfahren, erleben und ausprobieren steigert die Schlüsselkompetenzen. Die Schülerinnen und Schüler können zeigen, wo ihre Fähigkeiten liegen und lernen auch Umgangsformen.“ Mit den erworbenen Zertifikaten wie „best practise school“ und Silber für die nachhaltige Schülerfirma stiegen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Für die Zukunft ist bei den Schülerfirmen eine Fusion mit der Gutzmannschule geplant, bei Do it eine Kooperation mit der Brinker Schule. „Da setzen wir ein Zeichen in Sachen Integration“, sagt Andrea Engelhardt.