Erinnerungen an mutige Bürgermeister

Ein Prosit auf 90-jährige Aktivitäten der Krähenwinkeler SPD (von links): Walter Hoops, Helmut Korpiun, Marc Köhler, Hannes Milatz, Irina und Marco Brunotte. Foto: K. Raap
 
Alfred Oellerich hatte das Buch auf dem Dachboden vor den Nazis versteckt.

Harmonische 90-Jahr-Feier der Krähenwinkeler Sozialdemokraten

Krähenwinkel (kr). Mit einem Festakt feierte die SPD Krähenwinkel – wie schon kurz berichtet – ihr 90-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum bezog sich nicht auf auf das tatsächliche Alter der Partei, sondern auf die ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die aus einem am 17. Dezember 1922 eingerichteten Protokollbuch stammen, das der damals 31-jährige Alfred Oellerich 1933, nach dem Verbot der Partei, auf seinem Dachboden versteckt und somit vor dem Zugriff der Nazis bewahrt hatte. Dazu gehörte damals schon eine Menge Mut. Oellerich hatte sich 1922 der Partei angeschlossen. Drei Jahre später heiratete er Elise Mellentin, eine Tochter des späteren Bürgermeisters. 1929 wurde er neben vier weiteren Sozialdemokraten in die Gemeindevertretung gewählt, ihnen standen allerdings sieben "Bürgerliche" gegenüber. In der nächsten Wahlperiode konnten die Mehrheitsverhältnisse allerdings umgedreht werden. Wie im Protokollbuch nachzulesen war, wurden damals unter anderem ein Haus für Bedürftige und eine Bibliothek eingerichtet. Dafür wurden damals zunächst 75 Mark bewilligt. Der beängstigend wachsende Nationalsozialismus war immer wieder Thema der Sitzungen der Krähenwinkeler SPD. Die Landtagswahl 1932 stand unter dem Motto "Kampf dem Hakenkreuz", und der Vorsitzende Mellentin ermahnte in der Versammlung vom 19. März 1932 jeden Einzelnen seine Pflicht zu tun: "Mit dem Aufstellen von Klebekolonnen, Hausagitation und Verteilen von Broschüren soll die Wahlschlacht gegen Nazis und Reaktion mit allen vorhandenen Kräften geführt werden". Für zwölf Jahre wurden die Eintragungen ins Protokollbuch unterbrochen. Als am 20. April 1945 amerikanische Truppen in Krähenwinkel einmarschierten, war es der Sozialdemokrat Karl Niescken, der ihnen im Auftrag der Bevölkerung couragiert entgegenging und den Ort kampflos übergab. Die amerikanische Militärregierung setzte Niescken dann als Bürgermeister ein. Das Protokollbuch meldet am 4. September 1945 die Neugründung der Krähenwinkeler SPD. Noch vor der Verwaltungs- und Gebietsreform im Jahr 1972, als Krähenwinkel eingemeindet wurde, gelangen den SPD-Bürgermeistern Alexander Niescken und Rupert Kellner noch einige politische Schachzüge. Sie sorgten unter anderem für den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses, der Schule und des Kindergartens. Zu den ersten Männern, die nach dem Krieg die Ärmel hochkrempelten, um ihrer Gemeinde neue Impulse zu geben war Alfred Oellerich. Er engagierte sich sofort im Gemeinderat und war von 1948 bis 1950 und 1955 bis 1964 Bürgermeister. 1967 erhielt er das Bundesverdienstkreuz, 1973 wurde er Ehrenbürger der Gemeinde Krähenwinkel. Das Protollbuch übergab übrigens Waltraut Brula, die Tochter Alfred Oellerichs, der SPD. Sie gehört mittlerweile auch schon 45 Jahre der sozialdemokratischen Partei an.
Seit 1978 in der Krähenwinkeler SPD ist Marc Köhler, der die Abteilung seit 16 Jahren leitet. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist der Jurist kommunalpolitisch aktiv. Im Rat der Stadt Langenhagen steht er seit drei Jahren seiner Partei als Fraktionsführer vor. Auf der Jubiläumsveranstaltung begüßte Köhler unter anderem die Bundestagsabgeordnete Caren Marks, den Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, die Regionsabgeordnete Elke Zach, den SPD-Unterbezirksabgeordneten und Bundestagsabgeordneten Matthias Miersch, die Ehrenbürgerin Waltraud Krückeberg, Langenhagens Bürgermeister Friedhelm Fischer, Kaltenweides Bürgermeister Wolfgang Langrehr und den stellvertretenden Krähenwinkeler Bürgermeister Hannes Milatz. Beim traditionellen Gänseessen als Ausklang der rundum gelungenen Jübiläumsveranstaltung herrschte wie schon seit vielen Jahren großer Andrang. DGH-Betreiber und Küchenchef Horst Waldfried und sein engagiertes Team erhielten für das vorzügliche Essen und den professionellen Service Lob von allen Seiten.