Erzählcafé wird zum Erfolg

Themenwoche „Kriegskinder“ wird fortgesetzt

Langenhagen. Erzählen oder zuhören – beides war möglich beim Erzählcafé im Rahmen der Themenwoche „Kriegskinder“, das im Mehr-Generationen-Haus öffnete. Dass auch der letzte Platz besetzt war zeigte, dass die Veranstalter den richtigen Nerv getroffen haben. Der Seniorenbeirat und zwei Studentinnen der Hochschule Hannover konnten rund 40 Senioren begrüßen. Christa Röder, Vorsitzende des Seniorenbeirates, stellte in ihrer Begrüßung fest, dass die Erfahrungen, die die sogenannten Kriegskinder sammeln mussten, bis heute in ihrem Leben, aber auch darüber hinaus in Verhaltensweisen der nachfolgenden Generationen fest verankert seien. „Es ist ein generationsübergreifendes Thema, das uns alle angeht“, sagten dann auch Jessica Ostendorf und Ylva Kriete, die im Rahmen eines Projektes an der Hochschule das Konzept für die Veranstaltung erarbeitet hatten.
Weggucken geht nicht, hinhören muss sein. Und beides wurde intensiv betrieben.
HAZ- Redakteur und Experte Simon Benne führte an diesem Nachmittag durch die Veranstaltung. Er las aus seinem Buch „Fremde Heimat – als die Vertriebenen nach Hannover kamen“ und moderierte im Anschluss einfühlsam und respektvoll die Gespräche der Teilnehmer.
Simon Benne berichtete von einem Interview mit einem Mann, der als siebenjähriges Kind alleine auf dem Hauptbahnhof in Hannover gefunden wurde. Was folgte war eine jahrzehntelange Suche nach seiner Identität, schließlich wusste der Junge nicht mehr als seinen Vor- und Nachnamen. Erst 1977 fand er die Frau wieder, die ihn geboren hatte. Eine Mutter wurde sie nie. Dieses Schicksal ist eins von vielen von Kindern, die ihre Familie im Wirbel des Krieges oder auf der Flucht verloren haben.
Und wie war das Leben, als die Menschen in den Großraum Hannover kamen? Wurden sie herzlich aufgenommen? Oder gab es Vorurteile und Diskriminierung? Beides wahrscheinlich, stelle sich im Verlauf des Nachmittags heraus. „Wir hatten Glück! Ein Bauer suchte uns aus und wir durften mit auf seinen Hof ziehen. Seine Frau war nicht begeistert, das kann man sich vorstellen. Eine Mutter mit zwei Kindern, die können doch noch nicht mal richtig mit anfassen“, beschrieb eine Teilnehmerin ihre Ankunft in Schwüblingsen. Andere hatten schlechtere Erfahrungen machen müssen. „Wir wurden beschimpft und ausgegrenzt. Wir sollen doch wieder zurück gehen, wo wir her kamen. Es gab nichts zu essen, und mit uns wurde auch nicht geteilt“, sagte eine Teilnehmerin. Interessant: Auf die Frage, wer in Langenhagen oder im Großraum Hannover geboren wurde, hob keine Person die Hand.
Nach zwei Stunden endete das Erzählcafé und hinterlässt bewegte Gefühle. Deshalb bietet das Veranstaltungsteam einen nächsten Termin an. „Wir möchten die Gelegenheit bieten, weiterhin im Gespräch zu bleiben. Möglicherweise etabliert sich dann auch ein regelmäßiges Erzählcafé“, stellt Jessica Ostendorf in Aussicht. Das nächste Treffen wird am Mittwoch, 28. Februar, um 14.30 Uhr im Sonnencafé des Mehr-Generationen-Hauses, Konrad-Adenauer-Straße 15d stattfinden.

Weitere Informationen gibt es im Quartierstreff Wiesenau, Freiligrathstraße 11 oder E-Mail koch@ksg-hannover.de.