Es funkte bei beiden sofort

Hermann und Lisa Euscher, geborene Werner, gehen zusammen durch dick und dünn. Foto: E. A. Nebig

Lisa und Hermann Euscher feierten jetzt eiserne Hochzeit

Godshorn (ne). Im Kreise der Familie und enger Freunde feierte ein bekanntes Godshorner Ehepaar am gestrigen Dienstag, 2. November, ein sehr seltenes Familienfest. Hermann und Lisa Euscher, geborene Werner, hatten nämlich vor 65 Jahren geheiratet! Zwei Söhne, Schwiegerkinder, drei Enkel, ein Urenkel sowie weitere Verwandte und enge Freunde gratulierten dem Paar zur eisernen Hochzeit. Die Glückwünsche der Ortschaft und der Stadt Langenhagen überbrachte Willi Minne in seiner Doppelfunktion als Orts- sowie erster stellvertretender Bürgermeister. Er betonte dabei, dass Stadtrat a. D. Hermann Euscher sich um Godshorn verdient gemacht habe, denn er sei von 1961 bis 1974 Gemeindedirektor gewesen, habe viel bewegt und sei Vater der Partnerschaft mit Le Trait. Seine Söhne, Detlef und Jürgen, haben sich ebenfalls in Godshorn ehrenamtlich engagiert. Hermann Euscher prägte 1974 nach der Gebietsreform den Satz: „Aus gesunden Gemeinden hat man kranke Städte gemacht." Das sei nun lange her, sagte er beim Besuch des ECHO aus Anlass des seltenen Ehejubiläums und fügte hinzu: „Meine liebe Frau Lisa und ich können es fast nicht glauben, dass wir nun seit 65 Jahre verheiratet sind und uns so viele gemeinsame Jahre geschenkt wurden.“ Seine berufliche Karriere habe er seiner Ehefrau zu verdanken. Sie habe immer zu ihm gestanden, stets den Rücken frei gehalten und sei bis heute ruhender Pol im Familienleben. "Auf meine Lisa ist immer Verlass, ich liebe sie“, sagte er zum Thema Ehe. Kennen gelernt hat er sie Pfingsten 1941 als junger Luftwaffenpilot in Hemsdorf bei Magdeburg. Es funkte sofort, und in der Folge gingen Briefe hin und her. Gab es einmal einen kurzen Fronturlaub, machte sich der gebürtige Herforder auf den Weg zu seiner Lisa, und 1943 wurde Verlobung gefeiert. Eines Tages war er als Flugzeugführer mit einer Rotte von Kampfflugzeugen unterwegs und überquerte dabei die Magdeburger Börde, nicht ohne eine Ehrenrunde im Tiefflug über Hemsdorf zu Ehren von Lisa zu drehen, was ihm und seinen Kameraden einen Anpfiff vom Vorgesetzten einbrachte, der aber Verständnis hatte. An Hochzeit war nicht zu denken; der Bräutigam war in Frankreich stationiert und oft glaubten beide nicht mehr an ein Wiedersehen. 1945 hatte Hermann Euscher aber einen Schutzengel. In den letzten Kriegstagen geriet er unversehrt in Gefangenschaft und landete gemeinsam mit dem späteren TV-Star Hans-Joachim Kulenkampff in Hannover-Bothfeld im Gefangenenlager. Im August 1945 stand seine Lisa unverhofft am Zaun vor ihm. Sie hatte seinen Verbleib erfahren und war per Rad von Magdeburg angereist. Unter abenteuerlichen Umständen gelangten beide später nach Herford, und es wurde geheiratet. Die Hochzeit fand in geliehenen Hochzeitskleidern, im kleinsten Kreis und ohne Brauteltern statt, denn die saßen in der Sowjetzone fest! Das junge Paar hatte aber wieder Glück. Als gelernter Kaufmann erhielt Hermann Euscher eine Anstellung bei der Stadt Herford. Hier erwarb er sich das Rüstzeug, das ihn später befähigte, in Godshorn Gemeindedirektor zu werden. Seine Frau wurde Arzthelferin, ihren Beruf übte sie bis zur Geburt des ersten Sohnes aus. Von da an war sie Hausfrau und Stütze im Berufsleben ihres Mannes. Beide genießen ihren Lebensabend im gemütlichen Heim am Rährweg, halten sich mit Gartenarbeit fit, lieben gute Literatur sowie Musik und sind am Tagesgeschehen interessiert. Hermann Euscher hat in den letzten Monaten seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben. Seinen Lebensweg kann er sich ohne seine Lisa nicht vorstellen. Sein Weg führte ihn als Pilot von Westfalen aus in viele Länder, per Zufall in die Börde und schließlich als Verwaltungschef nach Godshorn. Hier setzte er einen Wunsch um, nämlich die Gründung einer Partnerschaft mit einer französischen Stadt in der Normandie, wo er einst als Pilot stationiert war. So kam es zur Städtepartnerschaft mit Le Trait.