Es gibt keine Berührungsängste

Die türkischen Frauen sorgten für viele kulinarische Köstlichkeiten beim Straßenfest.Fotos: D. Lange

Türkisch-Islamische Gemeinde feierte 30-jähriges Bestehen

Langenhagen (dl). Wer etwas über die türkische Lebensart erfahren will, muss zu ihren Festen gehen. Eine Gelegenheit dazu bot sich am Wochenende auf dem Straßenfest, das die Türkisch-Islamische Gemeinde in der Bahnhofstraße anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens feierte und zu dem sie alle Langenhagener eingeladen hatte. Die Gemeinde hat mit Erfolg unter Beibehaltung ihrer religiösen und kulturellen Traditionen seit jeher der Versuchung widerstanden, in einer Art türkischen Enklave unter sich bleiben zu wollen. Im Gegenteil, Berührungsängste gibt es nicht, zumal das Miteinander zwischen der deutschen und der türkischen Bevölkerung als weitgehend spannungsfrei gilt und von der Politik und hier insbesondere vom Integrationsbeirat aktiv gefördert wird. So werden zur Eröffnung der großen Geburtstagsparty auch zunächst beide Nationalhymnen abgespielt. Dass die Lautsprecher dabei bis zum Anschlag aufgedreht werden, gehört einfach mit dazu. Anschließend eröffnete der Imam der Gemeinde, Ahmed Fatih Aydin, mit der Rezitation von Texten aus dem Koran das Straßenfest auch auf der spirituellen Ebene. Dieses Ritual der Koranrezitation ist ein wichtiger Bestandteil am Anfang und Ende eines jedes türkischen Festes. Das Spirituelle spielte aber beileibe nicht die einzige Rolle, sondern genauso wichtig ist natürlich auch der kulinarische Aspekt eines solchen Festes. Während mindestens ein Dutzend Frauen damit beschäftigt sind, sozusagen in Fließbandarbeit eine Unmenge an Teigfladen herzustellen und zu verkaufen, ist die Arbeit am Grill offenbar Männersache. Doch nicht nur Deftiges verwöhnt den Gaumen. Auch der mindestens zehn Meter lange Kuchentisch bog sich unter der Last der denkbar köstlichsten Süßspeisen. Sehr mit den alten Traditionen verbunden und ohne den Glauben an die Lehre des Islam ist die Kunst der „Drehenden Derwische“, die die Festbesucher mit ihrer faszinierenden Darbietung fesselten, nicht denkbar. Sie versetzen sich mit Hilfe der Musik und, vereinfacht gesagt, durch ihren Glauben nach und nach in eine Art Trance, die es ihnen ermöglicht, sich eine lange Zeit um die eigene Achse zu drehen, ohne das ihnen dabei schwindlig wird. Gegen Mittag machte das Fest in der Bahnhofstraße eine halbstündige Pause, als der Imam mit seinem Gebetsruf die Gläubigen zum Gebet in die Moschee rief. Wer bei dieser Gelegenheit einmal eine Moschee von innen sehen wollte, war ebenfalls eingeladen, ihnen zu folgen und die Gläubigen bei ihrem Gebet zu beobachten.