„Fantastische Erfolge nach Jahrzehnten“

Reinhard Dengler, emeritierter Professor für Neurologie, setzt als Rotary-Präsident im Club Langenhagen-Wedemark medizinische Themenschwerpunkte.

Rotary-Club-Präsident reflektiert Mitgliedermeinung

Langenhagen (gg). Mit der Bitte, die gesellschaftliche Situation zu beurteilen, wendete sich das Langenhagener ECHO an Reinhard Dengler, Präsident des Rotary Clubs Langenhagen-Wedemark. Seine Stellungnahme zeigt eine positive Stimmung unter den Mitgliedern auf, parallel zu großer Bestürzung über den Terror in Europa. Abgeklärter Alltag und Emotionen. Mit welcher Haltung gehen die Rotary-Mitglieder in das neue Jahr?
Terror in Europa, die deutsche Beteiligung am Syrienkrieg. „Die Anschläge von Paris haben uns geschockt“, berichtet Reinhard Dengler. Wöchentlich treffen sich die Mitglieder, pflegen den Gesprächsaustausch und nutzen die im Programm verankerten Experten-Vorträge als Erweiterung ihres Informationsspektrums. Die Vortragsthemen sind so vielfältig wie die beruflichen Tätigkeiten. Präsidenten werden im Rotary-Club jährlich gewählt, sie setzen je nach persönlicher Berufung Akzente. Reinhard Dengler ist emeritierter Professor für Neurologie, seine Leitthema-Vorgabe für das rotarische Jahr lautet „Medizin und Wissenschaft“. „Es gibt daher eine Reihe von Vorträgen zu diesem Bereich, wie beispielsweise zu den Chancen der Transplantationsmedizin“, erklärt er. Die Referenten werden mit langem Vorlauf eingeladen, das Programm wird entsprechend im Voraus erstellt. Durchaus anspruchsvoll im fachlichen Bezug sind die Ausführungen, fordern die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Da verwundert es nicht, dass Reinhard Dengler in schlichter Knappheit reflektiert: „Terror war bei unseren Treffen kein größeres Thema als sonst in der Gesellschaft.“
Im Rotary-Club geht es um die Wohltätigkeit. Das soziale Engagement zielt auf die gesellschaftliche Eingliederung allgemein. Mitglieder stehen ein für humanitäre Dienste, für Frieden und Völkerverständigung sowie Dienstbereitschaft im täglichen Leben.
Die Betätigung der Mitglieder teilt sich in die Kategorien lokal, national und international – passend zur globalen Aufstellung. Rotary-Clubs gibt es weltweit, in 166 Staaten sind insgesamt rund 1,2 Millionen Menschen Mitglied in mehr als 34.000 Rotary-Clubs. Für Deutschland liegt die Zahl der Clubs bei ungefähr eintausend, mit rund 53.000 Mitgliedern. Scheinbar Unmögliches haben die Rotarier weltweit möglich gemacht. Vor rund 35 Jahren begann ihr Kampf gegen die Ausbreitung von Kinderlähmung. Alle Kinder der Welt sollten die Chance auf Impfung erhalten. Rotarier halfen bei der Verteilung des Impfstoffs, der Mobilisierung der Bevölkerung und logistischen Organisation der Impfaktionen. In Zusammenarbeit mit der WHO, UNICEF, den Gesundheitsbehörden der USA und den nationalen Gesundheitsministerien konnten weltweit zwei Milliarden Kinder vor Kinderlähmung geschützt werden. Ein Rückgang der Infektionen um 99 Prozent wurde erreicht, insbesondere durch die Unterstützung der „Bill & Melinda Gates Foundation“ - mehrere Hundert Millionen Dollar wurden aufgebracht. „Solche fantastischen Erfolge beflügeln“, sagten frühere Langenhagener Rotary-Präsidenten im Gespräch mit dem ECHO emotional ergriffen. „Gutes tun“ ist damit bewiesener Maßen keine Worthülse bei den Rotariern, es ist graswurzelhafte Realität und verändert die Welt. Warum initiieren die hiesigen Mitglieder angesichts der Gewalt in Europa und Nordafrika nicht ein weiteres humanitäres Hilfsprojekt? Kann das rotarische Bemühen um die soziale Eingliederung aller Menschen angesichts der extremen Flüchtlingsströme wirken? Es kann. „Rotary ist ein Service-Club und im Prinzip unpolitisch“, sagt Reinhard Dengler. Die Mitglieder setzen ihr Engagement schlicht fort, in dem Wissen, dass mit dieser steten Art, mit Kontinuität, mit Professionalität schon viel bewegt wurde.
Dran bleiben, nicht nachlassen – auch auf lokaler Ebene. Der „Verein für therapeutisches Reiten“ erhält Rotary-Spenden, denn dort stärken Kinder und Erwachsene mit Handicap ihre körperlichen, geistigen oder seelischen Fähigkeiten – bewährt seit fast 40 Jahren. Rotary-Spenden erhält auch der Verein „Grüne Stunde“. Menschen mit Demenz wird damit der Besuch des Therapie-Gartens ermöglicht – eine relativ neue Einrichtung, die aber in die Kontinuität hineinarbeiten soll. Viele weitere Vereine und Institutionen werden begünstigt, spontane Aktionen werden nun addiert, wie das „Eislaufen für Flüchtlingskinder“ im Mellendorfer Eisstadion vor einigen Tagen. Reinhard Dengler sagt: „Das Thema wird uns auch im nächsten Jahr weiter beschäftigen, bevorzugt in der Region.“