Filigran und faszinierend

Zoltán Szalai setzt auf den Aha-Effekt.Foto: G. Gosewisch

Zoltán Szalai nimmt Pferdezähne unter die Lupe

Altenhorst (gg). „Früher dachte ich, Zahnbehandlung bei Pferden sei Unsinn. Doch ich habe viele Pferde ausgebildet und immer wieder waren solche dabei, bei denen es scheinbar unerklärliche Probleme beim Reiten gab“, so die Beschreibung von Zoltán Szalai aus Altenhorst. Dann habe es den "Aha-Effekt" gegeben, wenn nach der Zahnbehandlung plötzlich alles wieder gut war und mehr: „Als ich bei einer Behandlung dabei war, habe ich ein Loch in der Maulwand eines Ponys gefühlt, so tief wie meine Fingerkuppe. Eine Zahnecke war der Grund. Pferde leiden lautlos.“ Pferdezähne wachsen ein Leben lang nach. Die von der Natur ursprünglich vorgesehene Funktion ist das Zerkleinern von langstieligen und hartfaserigen Gräsern. Bei zu weichem Futter nutzen sich die Zähne ungleich ab oder wachsen ungleich nach. Es bilden sich Haken oder scharfe Kanten. Neben den Verhaltensauffälligkeiten wie der Futterverweigerung kann es medizinische Hinweise auf Zahnprobleme geben wie Nasenausfluss, Kolik, Schlundverstopfung, Rückenprobleme oder Durchfall. Die Zahnpflege der Pferde gehört in vielen Betrieben längst zur gängigen Praxis und wird läuft ebenso selbstverständlich wie das Impfen oder die Wurmkur. Allerdings erfordert die Zahnpflege eine handwerkliche Qualität. Zoltán Szalai hat die in England erworben, wo er nach Absolvieren von Abitur und Technikum in Ungarn seine berufliche Zukunft zunächst als Bereiter gesucht hat. Eine guten Ruf erwarb er bei seiner vorherigen Ausbildertätigkeit im Stall Schockemöhle in Mühlen und Lewitz. In Hickstead lernte er die beiden besten Pferdezahnspezialisten Englands Christopher Warren und Duncan Gibson kennen, die unter anderem für die Championatsreiter John und Michael Whitaker oder Pippa und William Funnel arbeiteten und begann die Lehre. „Pferdezähne zu behandeln ist filigran und faszinierend“, erklärt der Wahl-Niedersachse mit Lebensfreude und leuchtenden Augen und weiter: „Selbst Röntgenbilder des Kiefers sagen manchmal nicht so viel aus, wie das Ertasten des Mauls mit der Hand.“ Sein sensibler und vernünftiger Umgang mit den Pferden ermöglicht ihm nicht nur mit größter Präzision zu behandeln, sondern diese auch schonend und zeitsparend für Pferd und Besitzer auszuführen. Er behandelt mit einer Apparatur, einem elektrischen Spezialgerät aus Frankreich, und er behandelt ohne Betäubung. Letztere ist Doping relevant, intensiver in den Kosten und der Nachsorge und für den Organismus des Pferdes nicht einfach. Nur ein Maulgatter wird angelegt, um über eine Abtastung der 20 Zentimeter langen Backenzahnreihe zu fühlen, ob und wo eine Behandlung nötig ist. „Pferde sind kooperativ!“, meint Szalai, „Es ist nur etwa eines unter 500 behandelten Pferden, das nicht möchte.“ Szalais Arbeits- und Lebenseinstellung ist das Streben nach Verbesserung: „Inzwischen kann ich schon in den Augen der Pferde sehen, ob sie Probleme an den Zähnen haben. Sensible Beobachtung ist wichtig. Den Erfahrungsschatz, den man schon hat, mit jedem behandelten Pferd noch weiter zu vergrößern, ist gut.“