Flamenco lässt Bilder entstehen

Auf eine Reise in den Süden nahmen Hendrik Jörg (von links), Martinita und Franz Gottwald ihr Publikum im Daunstärs mit. Foto: D. Lange

„Azucar del Norte“ im ausverkauften Daunstärs

Langenhagen (dl). Man kann sich dem Flamenco, wenn man es denn will, zunächst einmal über musiktheoretische Definitionen nähern. Die traditionelle Musik Spaniens mit ihren Liedern und Tänzen ist eng verbunden mit der Musikkultur Andalusiens im Süden des Landes. Flamencoformen wie die Alegria und die Buleria sind Tänze und Gesänge, die man zur Gattung der Palo zählt und denen zumeist ein 12/8- und 6/8-Takt zugrunde liegt. Diese stellen allerdings nur zwei Facetten einer Vielzahl von unterschiedlichen Formen des Flamenco dar, der noch dazu Einflüssen aus ganz unterschiedlichen Kulturen ausgesetzt war und ist. Das Repertoire der drei Musiker von Azucar del Norte, die am Wochenende das ausverkaufte Daunstärs in einen Flamenco-Club verwandelten, umfasst neben Traditionellem auch Eigenkompositionen und freie Interpretationen des Flamenco. Sozusagen als eine Hommage an die zwei Akkorde, die im Flamenco am häufigsten vorkommen, heißt eins ihrer Stücke denn auch konsequenterweise „E/F“.
Der für nordeuropäische Hörgewohnheiten mitunter raue, arabisch anmutende Gesang und vor allem die Tänze des Flamenco sind die klassischen Ausdrucksformen intensivster menschlicher Emotionen. Es muss wohl an der heißen Sonne Andalusiens liegen, dass Schmerz, Wut und Verzweiflung, aber auch überschäumende Freude und Ausgelassenheit in der traditionellen spanischen Musik noch stärker zum Ausdruck kommen als anderswo. In den Texten geht es, wie so häufig, um Liebe und Leidenschaften, die sich wie ein emotionaler Aufruhr in der Musik in eine regelrechte rhythmische Ekstase steigern können. Die Tänzer wirbeln über die Bühne und hämmern mit den Füßen den Rhythmus auf die Bühnenbretter – dabei spürt man förmlich die Hitze. Der Flamenco lässt aber auch, gerade in den etwas ruhigeren Gitarrenstücken der Azucar-Gitarristen Franz Gottwald und Hendrik Jörg, in den Köpfen Bilder von trockenen, kahlen Landschaften und alten Dörfern entstehen wie ein Film, der vor den Augen der Zuhörer abläuft. Etwas Besseres lässt sich über Musik kaum sagen.

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