Flammen und dichter Qualm in Lagerhallen

Die Feuerwehr ging mit der Drehleiter zu Werke. (Foto: O. Krebs)
 
Die Rauchentwicklung in dem betroffenen Gebäudeteil war sehr massiv. (Foto: O. Krebs)

Wieder Feuer auf dem Gelände der ehemaligen Tapetenfabrik Norta

Langenhagen. Erneut wurden die Feuerwehren der Stadt Langenhagen zu einem Brand in die Gebäude der ehemaligen Tapetenfabrik Norta gerufen. Zuletzt kam es hier am 24. Januar 2016  zu einem ausgedehnten Brand in den weitläufigen und verwinkelten Gewerbehallen. Beim aktuellen Brand war der östlichste Gebäudeteil betroffen.
Nachbarn bemerkten gegen halb sieben Uhr am Abend Explosionsgeräusche, die von einer starken Rauchentwicklung begleitet wurden. Sie alarmierten die Feuerwehr. Die Regionsleitstelle Hannover löste einen b1 Zugalarm für die Ortsfeuerwehr Langenhagen aus. Langenhagens Ortsbrandmeister Jens Heindorf rückte kurze Zeit später mit dem Löschzug aus. Bereits beim Abbiegen auf die Walsroder Str. stellten ie anrückenden Kräfte eine massive Rauchentwicklung über dem Objekt fest und die Einsatzstelle "auf Sicht" anfahren. Die Rauchentwicklung war so massiv, dass der Brand auch von den Fluglotsen aus dem Tower gesehen wurde. Heindorf erhöhte umgehend auf die Alarmstufe b2 und ließ die Ortsfeuerwehren Godshorn und Krähenwinkel nachalarmieren.
Beim Eintreffen stellte Heindorf Rauch aus drei nebeneinander liegenden Hallenboxen (zehn Mal 20 Meter) fest. Im Verlauf wurden an dieser Stelle mehrere Atemschutztrupps aus Krähenwinkel und Langenhagen zur Brandbekämpfung eingesetzt. Die Einsatzkräfte der Ortsfeuerwehr Godshorn betraten den leerstehenden Hallenkomplex durch einen der nördlichen Zugänge. Die Godshorner erkundeten unter anderem das Ausmaß des Brandes und der Rauchentwicklung. Zur Erkundung wurde zudem das viele tausend Quadratmeter umfassende Dach betreten.
Der eigentliche Brand konnte nach kurzer Zeit durch den intensiven Innenangriff gelöscht werden. Schwierigkeiten bereitete allerdings der Umstand, dass sich der Brand in der Dachkonstruktion ausgereitet hatte. In der Folge wurde mit einer speziellen Rettungssäge das Dach an einer Stelle eröffnet, um einen Eindruck vom Aufbau des Daches zu erhalten. Der Schnitt offenbarte, dass die Dachhaut aus einer Pressspanplatte mit mehreren Lagen Teerpappe bestand. In den Teerpappelagen breitete sich der Brand über weite Teile aus.
Heindorf ließ darauf hin ein Atemschutztrupp der Godshorner mit einem Absturzsicherungssystem sichern. Gut gesichert betrat der Trupp das Dach und setzte zur Brandbekämpfung sogenannte FogNails ein. Die speziellen Nägel werden dabei in die Dachhaut eingeschlagen und versprühen im Inneren einen feinen Wassernebel. Schon nach kurzer Zeit zeigte sich ein Löscherfolg. Die Sicherung des Trupps erfolgte übrigens über die Drehleiter der Werkfeuerwehr Flughafen. Die Löschmaßnahmen konnten gegen Mitternacht beendet und der Rückbau der vielen hundert Meter Schlauchmaterial begonnen werden. Bei einer abschließenden Kontrolle fielen erneut Brandnester im mittleren Hallensegment auf. Die Hallendecke wurde punktuell mit einem Einreißhaken geöffnet und die Glutnester mit einem C-Rohr vom Boden aus abgelöscht. Die Kontrolle mit der Wärmebildkamera zeigte noch einige Stellen in der Dachhaut, die Temperaturen von bis zu 100 Grad aufwiesen. Es ist damit zu rechnen, dass in den kommenden Stunden erneut Rauch aus dem Objekt aufsteigt.
Parallel zu den beschriebenen Löschmaßnahmen errichten weitere Einsatzkräfte eine Löschwasserversorgung. Dabei mussten größere Entfernungen zu den nächst gelegenen Hydranten zurückgelegt werden. Hierfür wurden 35 B-Schläuche (jeder 20 Meter lang) eingesetzt. Ferner wurde der Hallenkomplex mit mehreren Lüftern druckbelüftet, sodass die Einsatzkräfte die Erkundung unter Sicht übernahmen. Die vielen Schläuche und Atemschutzgeräte wurden nach dem Einsatz mit dem Gerätewagen Logistik aus Kaltenweide ins Feuerwehrhaus Langenhagen transportiert. Der 15. Bereitschaftszug der Johanniter Langenhagen verpflegte die 50 Einsatzkräften mit Getränken und Würstchen. Der Einsatz endete schlussendlich gegen 2 Uhr.
Erneuter Alarm mitten in der Nacht zu Montag um 2.18 Uhr für die Ortsfeuerwehr Langenhagen: Einsatzort war wieder die alte Tapetenfabrik an der Walsroder Straße. Dieses Mal kam es zu einer Rauchentwicklung aus der Decke eines noch nicht betroffenen Lagerhallenbereiches. Höchstwahrscheinlich hat sich das Feuer über die Zwischendecke für die Einsatzkräfte nicht direkt sichtbar ausgebreitet.
Gruppenführer Wilhelm Rust senior ließ einen Trupp zur Erkundung mit Wärmebildkamera und einem C-Rohr in die Halle vorgehen. Weiterhin entschied sich die Einsatzleitung die Ortsfeuerwehr Godshorn mit ihrem Fognail Löschsystem nach zu alarmieren. Dieses System hatte sich bereits beim vorherigen Einsatz als effektive Löschmethode etabliert. Ein zweiter Trupp ging ebenfalls unter Atemschutz über das Dach vor. Auch die Drehleiter der Werkfeuerwehr Flughafen kam erneut zum Einsatz.
Nach knapp drei Stunden konnte die Abschlusslage an die Leitstelle Hannover abgegeben werden: Alle sichtbaren Brandstellen sowie per Wärmebildkamera identifizierten Glutnester wurden abgelöscht. Ein externer Wachdienst wird ab sofort rund um die Uhr vor Ort sein. Die Feuerwehr war mit insgesamt acht Fahrzeugen und 37 Kräften vor Ort. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und geht
davon aus, dass entweder eine vorsätzliche oder fahrlässige
Brandstiftung Ursache für das Feuer ist. Eine genaue Schadenshöhe
kann derzeit noch nicht beziffert werden.
Ersten Hinweisen zufolge sollen sich kurz vor dem Feuer mehrere
Personen in dem Gebäude aufgehalten haben.
Aus diesem Grund bittet die Kripo um Zeugenhinweise. Wer
verdächtige Beobachtungen gemacht hat, möge sich bitte mit dem
Kriminaldauerdienst Hannover unter der Telefonnummer (0511) 109-55 55 in
Verbindung setzen.