Flexibilität ist mehr und mehr gefragt

Viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer waren ins Niet Hus gekommen. (Foto: O. Krebs)
 
Die Stadtverwaltung mit Doris Lange, Leiterin des Sozialberatungsdienstes (von links), Mirko Heuer und Monika Gotzes-Karrasch stand Rede und Antwort zur Flüchtlingsthematik in Langenhagen. (Foto: O. Krebs)

180 Flüchtlinge kommen an drei Standorte in der Stadt

Langenhagen (ok). „Wir müssen den Flüchtlingen eine Chance geben und sie kennenlernen.“ Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch warb in der Einwohnerversammlung im Niet Hus um Verständnis, machte genauso wie ihr Chef, Bürgermeister Mirko Heuer, deutlich, dass die Stadt die Zuweisungsquote nicht beeinflussen kann. Die Kommune will allerdings so lange wie möglich an ihrem Konzept der dezentralen Unterbringung festhalten, sozialverträglichen Wohnraum schaffen und Massenunterkünfte vermeiden. Außer der Unterkunft des Landes in der Hans-Böckler-Straße mit 320 Plätzen ist das ehemalige „Hotel Zollkrug“ mit 38 Frauen und Männern der größte Standort. Doch das reicht nicht mehr aus, Ende des ersten Quartals kommen drei größere Einheiten dazu, wie Bürgermeister Mirko Heuer am Donnerstag berichtete. Sowohl an der Leibnizstraße auf einem Teil des Parkplatzes am Walter-Bettges-Stadion als auch an der Pfeifengrasstraße werden zweigeschossige Container für jeweils 60 Flüchtlinge aufgestellt. Das war es an der Stelle aber auch, eine Aufstockung gebe es dort nicht, versprach Bürgermeister Mirko Heuer. Platz für 60 Asylbewerber wird am Bauernpfad in der so genannten Holztafelbauweise geschaffen. Grund: Die doppelgeschossigen Häuser sollen später dann noch für sozialen Wohnungsbau genutzt werden. Eine Auskunft, die Gastronom Cord Kelle auf die Palme brachte. Wollte er genau dort doch vor geraumer Zeit in der Ära Fischer ein Sechs-Familien-Haus bauen; ein Ansinnen, das ihm damals allerdings wegen der Lage in der Fluglärmzone 3 verwehrt worden sei. Die Montage der beiden Häuser für je 30 Flüchtlinge am Bauernpfad soll in der achten Kalenderwoche nächsten Jahres starten, die Fertigstellung wird für die 15. Kalenderwoche angestrebt. Die anderen Termine: Leibnizstraße – Montage neunte Kalenderwoche, Fertigstellung zwölfte Kalenderwoche; Pfeifengrasstraße – Montage 15. Kalenderwoche, Fertigstellung 18. Kalenderwoche. So der aktuelle Stand der Dinge, aber Heuer machte auch deutlich, dass sich die Zahlen ab Januar verdoppeln, wenn nicht gar verdreifachen können. Nur: Die Belegung von Sporthallen wie in anderen Kommunen will der Verwaltungschef um jeden Preis verhindern, sucht unter 40 potenziellen Objekten nach Puffern; 42 Häuser und Wohnungen im gesamten Stadtgebiet sind momentan belegt. Eine so genannte Notunterkunft, die 30 Frauen, Männern und Kindern aus fremden Ländern vorübergehend eine Herberge bieten könnte,entsteht zusammen mit einem Lager für Spenden und einer Waschstation im ehemaligen NP-Markt an der Kananoher Straße. Den Standort versteht Mirko Heuer aber lediglich als „Überlauf“ bis zur Zuteilung in andere Objekte. Ein weiteres Ziel ist es, die Dorfgemeinschaftshäuser ab Januar oder Februar wieder zur Vermietung freizugeben. Eines kann Mirko Heuer aber trotz aller Engpässe jetzt schon zusichern: „2016 werden keine Sporthallen und öffentlichen Einrichtungen mit Flüchtlingen belegt.“ Die Stadtverwaltung ist sich sicher, dass sie die Situation meistern kann; schließlich seien die Herausforderungen und Vorbehalte Anfang der 90er Jahre in einer ähnlichen Situation noch größer gewesen. Damals seien beispielsweise Flüchtlinge in der Peko-Halle am Schulzentrum untergebracht gewesen. Flexibilität sei natürlich über alle Maßen gefragt, gerade auch, was die Unterbringung der Flüchtlingskinder in allen Ortsteilen und an allen Schulformen angehe. Die Asylbewerber werden täglich von einer Sozialarbeiterin oder einem Sozialarbeiter betreut; ein Sicherheitsunternehmen oder gar Zäune wird es mit Mirko Heuer nicht geben. „Die Flüchtlinge haben mehr Angst vor uns, als wir vor ihnen“, sagt der Verwaltungschef. Und seine Sozialdezernentin Monika Gotzes-Karrasch ergänzt zum Thema Kriminalität: „Ich kann nicht für jeden Flüchtling meine Hand ins Feuer legen, aber auch nicht für jeden Deutschen.“