Fliegende Kleinodien

Prachtlibelle zeigt eine gute Wasserqualität an

Langenhagen. Wer jetzt an einem dieser schönen Sommertage von den Wietzebrücken, etwa auf der Höhe des Seehauses oder etwas nördlicher davon, auf das träge dahin strömende Flüsschen herab schaut, kann einfach nicht die im Sonnenschein dicht über der Wasseroberfläche hin und her schwirrenden, blauen Libellenpopulationen übersehen, die fast den ganzen Tag über ihre lebhaften Flugkünste zur Schau stellen. Es ist neben anderen, weniger auffällig gefärbten Arten, vor allem die Gebänderte Prachtlibelle (Calopteryx splendes), welche nur an langsam fließenden Gewässern beheimatet ist, die zusätzlich auch einen sandigen Untergrund aufweisen müssen. Außerdem verlangen die Tiere einen vegetationsreichen, der Sonne ausgesetzten Uferbereich. Wegen der zahlreichen Flußbegradigungen sowie der Gewässer-Verschmutzung ist die Verbreitung dieser Insektenart sehr zurückgegangen, daher stehen die Prachtlibellen nun sogar auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Diese Libellen sind somit auch Anzeiger für eine gute Wasserqualität. Die Männchen zeichnen sich durch eine breite, schwarzblau schimmernde Flügelbinde aus, während die Weibchen mehr grünlich bis bronzefarben erscheinen. Diese Binde der Männchen erstreckt sich aber nicht bis zum Flügelende, sondern lässt Flügelbasis und Spitze frei. Bei einer anderen, noch selteneren Art, nämlich der Blauflügelprachtlibelle, ist dagegen der ganze Flügel blauschwarz. Mitunter kommen jedoch auch beide Arten zusammen vor. Die Familie der Prachtlibellen ist übrigens entwicklungsgeschichtlich die älteste Gruppe dieser Insektenordnung, was man unter anderem am langsam flatternden, aber durchaus gewandten Flugverhalten erkennen kann. Die Männchen der Prachtlibellen bilden feste Reviere, die sie gegen Konkurrenten tapfer verteidigen, dies lässt sich von den Wietzebrücken auch gut beobachten. Sitzt ein Männchen einmal kurz auf dem Brückengeländer ab, so gewahrt man meistens, wie beschädigt doch ihre vier großen Flügel durch diese andauernden Revierkämpfe sind. Kommt eins der Weibchen dem Stammplatz eines der Männchen näher, so zeigt letzteres mit hochgebogenem Hinterleib seinen Wunsch auf Kontaktaufnahme an. Nach einem hin- und hertaumelnden Balzflug findet schließlich die Paarung statt, wobei die beiden Tiere in Tandemform zu einem Sitzplatz fliegen und dort ein sog. Rad bilden. Nach der Befruchtung begibt sich das Weibchen allein auf eines der flutenden Wasserpflanzenblätter und legt mit Hilfe des Legestachels die Eier direkt in das Pflanzengewebe. Nicht selten taucht es dabei auch richtig ins Wasser unter. Das Männchen, wohl vom Hochzeitsvergnügen etwas ermattet, hält dagegen unweit davon auf einer sog. Sitzwarte Obacht. Nach wenigen Wochen schlüpfen die Larven aus, welche im Wasser, ausgestattet mit einer vorklappbaren Fangmaske, als Räuber leben und sich in der Regel nach zwei Jahren wieder zu den fliegenden Insekten entwickeln. Dabei kriechen sie vor ihrer Verwandlung aus dem Wasser heraus, an festen Pflanzenstängeln empor und beginnen dann ihr eigentliches Libellenleben. Die Flugzeit währt vom Mai bis in den September, als Individuen leben die Tiere aber nur etwa zwei Wochen. Daher finden sich im Gewässer auch immer Larven verschiedener Größe. Unsere einheimischen Prachtlibellen haben bei sieben Zentimeter Flügelspannweite jedoch nur ein Gewicht von 0,1 bis 0,2 Gramm. Sie ernähren sich von noch kleineren Fluginsekten, fallen aber selbst oft den Uferschwalben oder gar dem Eisvogel zum Opfer. In den Bruthöhlen des letzteren hat man schon ganze Haufen von Libellenflügeln und Köpfen finden können. Da sich die Prachtlibellen nie weit vom Gewässer zu entfernen pflegen, übernachten auch die Männchen oft in gemeinsamen Gruppen dicht am Ufer. Libellen stechen nicht. Dennoch sollte man diese Tiere aus Naturschutzgründen nicht fangen, sondern sie nur ganz ruhig von einer unserer Wietzebrücken aus beobachten.